Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abhandlungen und Forschungen zur niederländischen Kunstgeschichte
Person:
Riegel, Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1205002
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1207885
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Peter 
Paul 
Rubens: 
Der Lebensabriss. 
der Messe zu beginnen, wofern er nicht durch die Gicht, die 
ihn sehr belästigte, behindert war; darauf ging er an die Arbeit, 
wobei er immer einen Vorleser, den er sich hielt und der 
laut irgend ein gutes Buch vorlas, neben sich hatte, gewöhnlich 
jedoch den Plutarch, Livius oder Seneca. 
Da er an der Arbeit die äusserste Freude hatte, lebte er 
auf solche Weise, dass er mit Leichtigkeit arbeiten konnte, 
und ohne seiner Gesundheit zu schaden; darum ass er sehr 
wenig zu Mittag, aus Besorgniss, dass die Beschwerde der 
Speisen ihn nicht an seiner Beschäftigung verhinderte und dass, 
wenn er sich wieder beschäftigte, er die Verdauung der Speisen 
nicht verhinderte. So arbeitete er bis fünf Uhr Abends, stieg 
dann zu Pferde, um ausserhalb der Stadt oder auf den Wällen 
Luft zu schöpfen, oder er machte sonst irgend etwas, um 
seinem Geist Erholung zu gönnen. 
Nach der Rückkehr vom Spazierritt fand er zu Hause 
gewöhnlich einige seiner Freunde, die mit ihm speisten und 
zu den Freuden der Tafel beitrugen. Er hatte jedoch eine 
grosse Abneigung gegen das Uebermaass des Weines und der 
guten Kost, ebenso wie auch gegen das des Spiels. Sein grösstes 
Vergnügen war es, ein schönes spanisches Pferd zu besteigen, 
irgend ein Buch zu lesen, oder seine Denkmünzen, seine 
Achate, seine Karneole und andern geschnittenen Steine zu be- 
trachten, von denen er eine sehr schöne Sammlung besass, 
die sich heute im Kabinet des Königs von Spanien befindet. 
Da er alles nach der Natur malte, und da er oft Gelegenheit 
hatte, Pferde zu malen, so hielt er in seinem Stalle einige der 
schönsten und der am meisten zum Malen geeigneten. 
Obgleich er seiner Kunst sehr anhing, richtete er doch 
seine Zeit so ein, dass er immer einen Theil derselben dem 
Studium der schönen Wissenschaften widmete, nämlich den 
lateinischen Geschichtsschreibern und Dichtern, die er voll- 
ständig besass, und deren Sprache ihm ebenso wie die italie- 
ilische sehr vertraut war, wie man dies aus den handschriftlichen 
Bemerkungen ersehen kann, die er über die Malerei gemacht 
hat und wo er einige Stellen aus dem Virgil und andern 
Dichtern, die zu seinem Gegenstande in Beziehung standen, 
beigebracht hat. So kann man sich nicht wundern, dass er
        

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