Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abhandlungen und Forschungen zur niederländischen Kunstgeschichte
Person:
Riegel, Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1205002
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1207780
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Peter Paul Rubens: 
Der Lebensabx 
Kutsche und sieben Pferde von ausgezeichneter Schönheit zu 
überbringen. Kaum war er von dieser Reise zurückgekehrt, 
so begab er sich nach Venedig in der Absicht, die schönen 
Werke aus dem Grunde zu untersuchen und mit Musse zu 
betrachten, die er bisher nur flüchtig gesehen hatte, und deren 
grosse Zahl die Vorstellung in seinem Gedächtniss vermischt 
hatte; denn er hatte sie nur so lange betrachtet als nöthig ist, 
um ihre Bedeutung zu erkennen und einen lebhaften Wunsch 
zu empfinden, dieselben eines Tages wiederzusehen und seiner 
Lernbegierde völlig Genüge zu thun. Und in der That zog 
er aus den Werken des Tizian, des Paolo Veronese und des 
Tintoretto allen Vortheil, den man daraus ziehen kann, zur 
Vervollkommnung seiner Kunstweise. 
Nachdem er sich so in Venedig weitergebildet hatte, indem 
er sowohl über die Werke der grossen Meister nachdachte als 
dieselben auch kopirte, kehrte er nach Rom zurück, wo er 
ausgewählt wurde, um die hauptsächlichen Gemälde der Chiesa 
nuova von den Vätern des Oratoriums, die eben beendet war, 
auszuführen; das eine steht auf dem Hochaltar und die beiden 
andern zu den Seiten. Auf demjenigen in der Mitte hat er 
die Jungfrau mit dem Jesusknaben gemalt und ringsum Engel, 
die sie auf verschiedene Weise verehren. Die Bilder zu den 
Seiten stellen mehrere Heilige aufrechtstehend dar, unter an- 
deren den heiligen Papst Gregor und den heiligen Mauritius 
in kriegerischer Tracht: diese Gestalten sind von grossem 
Adel und im Geschmack des Paolo Veronese gemalt. Die 
Entwürfe zu diesen drei Bildern befinden sich gegenwärtig in 
der Abtei des heiligen Michael zu Antwerpen, wo 
Rubens sie nach seiner Rückkehr nach Flandern hingebracht 
hatte. 
Unter allen Städten Italiens, wo Rubens sich aufhielt, hat 
er am meisten in Genua verweilt, sei es, dass er das Klima 
da milder fand, sei es, dass er da mehr Ehrenbezeigungen als 
anderswo empfing, oder endlich, dass er da günstigeren Ge- 
legenheiten begegnete, um das, was er gelernt hatte, zu ver- 
werthen und die Gaben, die er für die Malerei empfangen 
hatte, auszuüben; denn man sieht da viele seiner Werke und 
sie werden da geschätzt ebenso hoch als sonst irgendwo in
        

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