Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abhandlungen und Forschungen zur niederländischen Kunstgeschichte
Person:
Riegel, Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1205002
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1207379
Das Verfahren Antwerpexfs. 
2II 
Losungswort des Tages erhoben. Sachlich beurtheilt, begreife 
das wer kann! Sachlich ist es mehr als gleichgültig, 0b Rubens 
in Antwerpen, in Köln, in Siegen oder in Hinterindien geboren 
ist. Thatsache ist, dass er aus einer alten Antuterpener Familie 
stammt, dass er bis zu seinem zwölften Jahre in Köln gelebt 
hat und dann wieder in die Stadt seiner Väter zurückgekehrt 
ist. Hat eshierneben irgend eine Bedeutung für Rubens in 
seiner künstlerischen und ganzen geistigen Persönlichkeit, Wo 
zufällig seine Mutter sich befand als sie ihm das Leben gab? 
Diese Frage hat doch nur einen geschichtlichen Werth, inso- 
fern die Ermittelung der geschichtlichen Wahrheit an und für 
sich Aufgabe der Geschichtschreibung ist. 
Aber die Antwerpener hatten keine Ahnung von diesem 
Standpunkte; als praktische Handelsletite nahmen sie die Sache 
praktisch und erklärten: „Rubens ist in unserer Stadt geboren! 
Und damit abgemacht." Roma locuta est. 
Die Verblendung ging soweit, dass man dem pappernen 
Triumphbogen auf dem Meyr die Inschrift gab: "Rubens te 
Antwerpen gebooren MDLXXVII,"  und dass man sogar an 
das erzene Fussgestell der neuen, im Treppenhause des Museums 
aufgestellten, von J. R. Pescher gefertigten marmornen Rubens- 
Büste schrieb: „Aan Rubens zijne geboortestaclß") Ja," wenn 
man durch solche eherne Erlasse Geschichte machen könnte! 
So aber kann diese kindische Art, sich über Thatsachen hin- 
wegzusetzen, nur albern und lächerlich erscheinen. Der Be- 
sucher des Museums wird mit kühler Verwunderung an der 
Rubens-Büste "vorübergehen, als dem Denkmal einer Verblen- 
dung, die im Sommer 1877 zu Antwerpen epidemisch war, 
und sich der erfreulichen Erscheinung getrösten, dass wenigstens 
der amtliche Katalog eben desselben Museums der Wahr- 
heit noch immer die Ehre giebt. Da liest man: "Antwerpen 
und Köln haben sich lange um die Ehre gestritten, die Wiege 
Von Peter Paul gewesen zu sein; obwohl Köln die grössere 
Wahrscheinlichkeit für sich hatte, blieb die Frage unent- 
schieden"  bis zu den Veröffentlichungen Bakhuizenls, der 
nbewiesen hat, dass Rubens, mehr als wahrscheinlich, das Licht 
Grosser 
Holzschnitt in 
1877! 
III.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.