Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abhandlungen und Forschungen zur niederländischen Kunstgeschichte
Person:
Riegel, Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1205002
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1205328
geschichtliche Gang der 
Der 
nieder 
ndischen Malerei im sechszehnten 
lahrh. 
Antonello da Messina hielt sich lange in Brügge bei den Eyläs 
auf, Niederländer reisten zahlreich nach Italien, die Kenntniss 
der italienischen Kunst war eine ganz verbreitete, sie musste 
auf Künstler und Kunstfreunde einwirken und endlich zum 
Nachstreben auffordern. „Der erste," sagt in dieser Hinsicht 
Waagen, „welcher der Vaterländischen Kunstweise ungetreu 
wurde, war Jan Mabtlsef") Dieser Satz ist nur die Steigerung 
einer Aeusserung des Vasari, indem dieser sagt: „Mabuse 
war gewissermassen (quasi) der erste der aus Italien nach 
Flandern die wahre Art, Gemälde voll von nacken Figuren 
und voll Poesie zu machen, einführtef?) womit es ganz und 
gar stimmt, wenn Karel van Man der ihn in demselben Sinn 
„w0hl einen der ersten" nenntß). Durch Hinweglassung dieser 
bedeutsamen Bedingungswörter wurde der Satz unwahr, aber 
er hat trotzdem in der Kunstgeschichte ein Art dogmatischer 
Bedeutung erhalten, und er ist ja auch oft genug vor wiss- 
begierigen Jünglingen ex cathedra verkündigt worden. Nicht 
minder wird er fort und fort in Büchern wiederholt. H. Taine 
weiss es am allergenauesten; er erzählt: „Mabuse ist der erste, 
der im Jahre 1513, bei seiner Rückkehr aus Italien, in den alten 
Styl den italienischen Styl einführt, und die andern folgenf") Es 
fehlt nur noch Tag und Stunde! Und selbst auch J. van Vloten 
sagt noch, dass Mabuse „der erste Vertreter dieser Richtung" ge- 
WCSCD sei, zu welcher „man sich durch eine unselbständige Sucht 
der Nachmacherei des italienischen Kunstschönen habe verführen 
lassenf") Aber dennoch entspricht dieser Satz, wie er auch 
immer gefasst sei, nicht den thatsächlichen Vorgängen. Zwar 
Mabuse hat von der Anlehnung und Nachahmung der Italiener 
eine durchgreifende und umfassende Anwendung gemacht, aber 
er ist nicht der erste und nicht der einzige, der sich die Italiener 
zum Vorbilde nahm. Die Einwirkung dieser Vorbilder auf die an 
innerem Halt verlierende Eyclösche Schule war zu mächtig, als 
1) Handbuch der deutsch. und niederl. Malerei. I. S. 291. 
 Ediz. Le Monnier. XIII. _S. 151. 
ü) Het Schilderboek etc. Ausg. v. 1617. Blatt. 146. ' 
4) Philosophie de Part dans les Pays-bas. Pafis 1869. S. 106. 
) Nederlandß Schilderkunst etc. Amsterdam 1874. S. 66.
        

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