Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abhandlungen und Forschungen zur niederländischen Kunstgeschichte
Person:
Riegel, Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1205002
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1205312
n Gossaert genannt 
IYIabuse. 
ein Fleiss, eine Tüchtigkeit und eine Technik nicht zu be- 
seitigen, wie sie Quentin Massys besitzt. Das eigenste Lebens- 
prinzip der Kunst beruhte nicht mehr auf unbefangener An- 
schauung und warmer Empiindung, es ward vielmehr dufCh 
eine unläugbare Ueberlegtheit und Absichtlichkeit bestimmt. 
Diese Thatsache blieb den damaligen Künstlern in den Nieder- 
landen nicht verborgen; während aber Massys trotzdem den 
Styl und die Ueberlieferungen der Schule fest hielt, suchten andere 
Meister mit Bewusstsein und Entschiedenheit andere Wege auf. 
Hergebrachtermassen führe ich zuerst Jan Gossaert ge- 
nannt Mabuse an (i47o?- 1532). Mabuse hatte anfangs, W16 
Massys, Styl und Ueberliefertlng der Schule beibehalten und 
sich dabei durchaus als ein Meister bewährt, dem es sogar in 
einzelnen Fällen, wie z. B. dem lieblichen Marienbilde des 
Hochaltars im Dom zu Xanten, gelang bis zu einem gewissen 
Grade die alte lnnigkeit des Gefühles festzuhalten. Aber trei- 
lich sind dies Ausnahmen. Im allgemeinen zeigt er sich 
durchaus als Meister der ausgehenden Schule, der zwar seinen 
Werken die alte Erscheinungsweise und eine vortreffliche 
Technik verleihen, aber nicht hindern konnte, dass sie immer 
ltälter und äusserlicher wurden. Man kann sich hiervon unter 
andern an den meisten seiner im Museum zu Antwerpen be- 
lindlichen Gemälde, namentlich aber sehr deutlich an dem 
dortigen Bilde der „vier Marien mit Johannes" (N0. 179) über- 
zeugen; dies ist noch ganz in der alten Weise der Eykschen 
Schule gehalten, aber so äusserlich in der Beseelung, dass die 
Frauen nur die Gesichter verziehen und so thun als 0b sie 
weinten, in der That aber nicht weinen, da ihre Seele keinen 
Antheil an der Gebärde ihrer Gesichter hat. Wenn aber selbst 
ein so erhebliches Talent wie Mabuse, dem die mittelalterlichen 
Kunstformen doch noch so recht im Fleische sassen, in diesem 
Style sich nicht wahrhaft lebensvoll mehr aussprechen konnte, 
so war die natürliche Folge, dass die italienischen Vorbilder 
ihre Kraft äussern mussten. 
Die Beziehungen zwischen Flandern und Italien waren 
seit Jahrhunderten lebendig, wie schon verschiedene Stellen im 
Dante bezeugen. Viele italienische Kunstwerke kamen nach 
den Niederlanden, italienische Künstler reisten dahin, ein
        

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