Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abhandlungen und Forschungen zur niederländischen Kunstgeschichte
Person:
Riegel, Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1205002
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1206873
Kunstgeschichtliche Beziehungen. 
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dies, dass im Laufe von Wenig mehr als einem Jahrhundert 
aus einer tapferen, kühnen und charaktervollen Nation eine 
Gesellschaft von recht eitlen und steifen Philistern geworden 
war. Und spiegelt sich hierin nicht die Geschichte Hollands 
treffend ab? 
Auch in rein kunstgeschichtlicher Beziehung sind diese 
Werke die sprechendsten Denkmäler der Entwicklung, welche 
die holländische Malerei genommen seit der Zeit, wo sie sich von 
der Nachahmung der Italiener lossagte und die eigenen Wege 
betrat. Ich habe schon die grosse überraschende Meisterschaft 
in der Wiedergabe des Lebens und Charakters gerühmt, die 
wir gleich von Anfang an antreffen. Diese Meisterschaft bleibt 
die fast durchgehende Eigenschaft aller dieser Künstler; 
natürlich erscheint sie bei dem einen glänzender als bei dem an- 
deren, aber selbst noch von geringeren Talenten wird sie mehr 
oder weniger sicher beherrscht. Die Wandlungen, welche die 
vergleichende Betrachtung der Stücke lehrt, liegen in den 
Eigenschaften der Malerei als solcher, in der Behandlung der 
Farben, des Lichtes und Schattens, des Halbschattens, Hell- 
dunkels und Tones. Von einer sorgfältigen und sauberen 
Durchführung ausgehend, wird die Behandlung immer breiter 
und breiter, bis sie in den letzten Werken des Frans Hals 
die Grenzen des Möglichen überschreitet und Unmöglichkeiten 
versucht. Hierneben ist aber auch der äusserste Gegensatz 
dieser breiten Behandlungsweise, die Feinmalerei, die während 
der zweiten Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts in Holland auf 
die Spitze getrieben wurde, nicht ohne Vertretung. Denn die 
erwähnte "Beeidigung des Münstefschen Friedens" von Ger- 
hard Terborch, sowie die "Sitzung der allgemeinen Stände" 
tStaten  Generaal), welche im Binnenhofe des Haag 165i 
gehalten wurde, von Dirk van Deelen und Antonie Pala- 
medesz im Museum des Haag (N0. 22), und vielleicht noch 
das eine oder andere ähnliche Werk kleinen Maasstabs, welches 
den Schütter- und Regentenstücken beigezählt werden darf, 
bekunden diese Art der malerischen Behandlung. Später ge- 
winnt dann eine mehr akademische Richtung wieder die 
Oberhand, und die Malerei wird, wie die dargestellten Menschen, 
glatt und charakterlos, wovon man sich beispielsweise an den 
Riegel I. I,
        

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