Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abhandlungen und Forschungen zur niederländischen Kunstgeschichte
Person:
Riegel, Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1205002
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1206785
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Geschichte der Schütter- 
Zur 
und Regentenstücke. 
irgend eine bestimmte Handlung zu beleben oder etwas anderes 
an seine Stelle zu setzen. Selbst ausgezeichnete Meister folgten 
demselben unbedenklich, und es muss fast scheinen, als ob 
die Besteller ausdrücklich diese Art der Auffassung zur Be- 
dingung gemacht hätten, oder als 0b dieselbe von vornherein 
als selbstverständlich angesehen und danach schnell zur Ge- 
wohnheit geworden war. 
Ein Stück aus demselben Jahre 1618, welches C. W. be- 
zeichnet ist und die Regenten des „Oude-Mannen-en Vrouwen- 
gasthuis" zu Amsterdam darstellt, sowie eines von Werner 
van Valkert 1622, welches die Bildnisse der Oberleute der 
dortigen Grosshändlergilde zeigt, beide im Rathhause daselbst 
(N0. 112 und 109), folgen ganz dieser Auffassung und auch 
die späteren, die seit dem grossen F riedensschlusse sehr zahl- 
reich werden, zeigen sie fast durchgehends. 
Mit welcher Strenge diese Auffassung herrschte, lehrt 
namentlich auch ein ausgezeichnetes, kleines Gemälde des 
Thomas de Keyser im Haag (N0. 62), welches vier schwarze 
Herren, die sogenannten "Bürgermeister von Amsterdam" am 
Tische sitzend darstellt; sie berathen angeblich über die Feier- 
lichkeiten, welche sie zum Empfange der Königin Maria de' 
Medici, als diese 1638 ihre Stadt besuchte, veranstalten wollten, 
und ein Diener bringt ihnen eben die Meldung von der An- 
kunft dieser Fürstin. In Wirklichkeit jedoch berathen sie 
garnicht, sie sitzen nur am Berathungstische, sonst sind es 
„besondere Bildnisse," die sich um einander nicht kümmern. 
So meisterhaft deshalb auch jedes einzelne, dieser Bildnisse ist, 
so vorzüglich auch das Ganze gemalt ist, so ist es doch ein 
Bild ohne Einheit und Gedanken. Ja, man kann und muss 
behaupten, dass die übliche Auffassung hier geradezu ins 
Abenteuerliche versetzt ist, da der Mittelpunkt der scheinbaren 
Handlung Etwas ist, was garnicht sich künstlerisch ausdrücken 
oder andeuten lässt: die Meldung von der Ankunft der Köe 
nigin Maria. Als 0b der bildlich dargestellte Vorgang einer 
Meldung auch den Inhalt dieser Meldung zur Anschauung 
bringen könnte! Wenn aber das am grünen Holze geschieht, 
was soll man vom dürren erwarten? In der That, es giebt
        

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