Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abhandlungen und Forschungen zur niederländischen Kunstgeschichte
Person:
Riegel, Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1205002
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1206694
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Brüssel von Caspar de Crayer im Museum daselbst an 
rNo. 175). Aber eigentlich ist das gar kein Schütterstück mehr, 
es ist ein Kirchenbild, welches die von Engeln umgebene 
heilige Jungfrau in seinem oberen Theile und im unteren drei- 
zehn Schützenofliziere, knieend, in reicher Tracht, mit den 
Degen an der Seite, aber auch mit Rosenkränzen und Gebet- 
büchern bewaffnet, darstellt. Aeusserlich ist in diesem Werke 
die Anlehnung an die alte kirchliche Kunstüberlieferttng genau 
vollzogen, selbst bis auf die symmetrische Theilutig und An- 
ordnung des Ganzen, die Unterordnung unter den kirchlichen 
Gedanken erscheint, wenigstens der Form nach, vollendet. 
Aber die zu den Füssen der heiligen Maria mit dem Rosen- 
kranz knieeilden Herren haben die Sache nicht so hitzig; fast 
alle machen recht weltliche Gesichter, sie sehen oder lächeln 
sogar ganz freundlich den Beschauer an. So sind solche Werke 
rechte kirchliche (Zeremonien-Bilder, und sie decken, den 
holländischen Schütterstücken gegenübergestellt, deutlich die 
tiefe Kluft auf, welche sich in kirchlicher und politischer Hin- 
sicht zwischen den nördlichen und den südlichen Niederlanden 
befestigt hatte. 
Mit der Zeit hatten freilich die holländischen Schütter- 
stücke an ihrem ursprünglichen Charakter auch Einbusse er- 
litten; denn sie hatten ja auch ihre schwache Seite. Unzweifel- 
haft liegt doch in der ganzen Art, sich selbst mit den Genossen 
auf eigene Kosten abbilden und an Orten, die man öffentliche 
nennen muss, aufhängen zu lassen, ein Zug von bedenklicher 
Selbstbespiegelung und kleinbürgerlicher Eingeschranktheit. 
Hätten jene Schützen und auch jene Maler im allgemeinen 
einen wahrhaft hohen und umfassenden Aufschwung des 
Geistes gehabt, so würden sie der grossen Geschichte ihres 
Landes noch andere Denkmäler gestiftet haben, gemalt oder 
in Stein und Erz gebildet. Aber die Schwingen ihrer Ein- 
bildttngskraft trugen sie nicht hoch. So wurde das Gruppen- 
bildniss die Aufgabe, und die Lösung derselben hielt sich in 
einer sehr gebundenen Auffassung, die nur selten durch- 
brochen wurde. Und gegen den Schluss des Krieges hin, wo 
jene ursprünglichen Eigenschaften zurücktraten, zeigte es sich 
schon deutlich an, in welch' hohem Maasse ein stark betontes
        

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