Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abhandlungen und Forschungen zur niederländischen Kunstgeschichte
Person:
Riegel, Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1205002
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1206212
Die 
Architekturmalerei 
Schatten da; und in die Schatten wieder dringen Widerscheine 
aller Art ein, sie erhellend und belebend. Dann aber rückwärts 
in der Stube ist eine Thür geötfnet und gestattet die Durchsicht 
auf einen hell beschienenen Hof; der neue Lichteinfall bringt 
wieder eine neue Wirkung voller Reiz hervor, den der Gegen- 
satz noch erhöht. Und in solchem Bilde steht nun dort eine 
scheuernde Magd, hier eihe Kindswärterin mit der Wiege, 
dort sitzt die Heissige Frau des Hauses, hier der Herr mit der 
thönernen Pfeife. Wie hat Pieter de Hooghe solche Bilder 
unübertrefflich geschildert! Wohl nirgends findet man sie 
noch jetzt in voller Wirklichkeit ganz so wie ehedem erhalten 
als in dem stillen freundlichen Delft, das sich so wenig ver- 
ändert hat. Wie eigenthümlich, sinnig und stimmungsvoll 
sind sie! Und doch wie attffällig ist es, dass bei so nahe 
liegender poetischer Stimmung ein so ausserordentlicher Künst- 
ler wie der Delffsche van der Meer solche Bilder so prosaisch 
auffassen und behandeln konnte, wie er es z. B. in einem Bilde 
bei Herrn Six van Hilligom in Amsterdam gethan hat. Quer 
durch den Vorgrund vom rechten Bildrande zum linken läuft 
geradlinig die Strasse und dahinter steht ebenso geradlinig und 
steif eines jener einförrnigen Backsteinhäuser; durch eine offene 
Thür sieht man einen Gang hinunter: inhaltlich die platteste 
Prosa, zeichnerisch in Hinsicht formaler Schönheit eine recht 
alltägliche Gewöhnlichkeit. Nur in der Behandlung von 
Perspektive und Schatten liegt ein Stimmungselement, das auf 
die feineren Seiten des wirklichen Urbildes hinweist, welches 
der Künstler hier abgebildet hat. Weniger bedeutende Meister 
erreichten in ihren Stadtansichten und Architekturbildern im 
Allgemeinen selten mehr als blosse Ansichten, ohne diese 
durch die Wahl eines bedeutenderen Standpunktes. und reichere 
malerische Stimmung zu feineren Kunstwerken erheben zu 
können. Rembrandt ist auch auf diesem Gebiete das uner- 
reicht gebliebene Vorbild seiner Landsleute, wie unter andern 
eine Zeichnung in der Albertina zu Wien, eine sehr malerisch 
aufgefasste Innenansicht einer Kirche, die schon des Meisters 
volle künstlerische Absichten deutlich zeigt, lehren kann. 
_ Wir sind mit diesen Ausführungen schon weit in eine 
Zeit hineingerückt, wo die Grundlagen des nationalen Lebens
        

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