Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abhandlungen und Forschungen zur niederländischen Kunstgeschichte
Person:
Riegel, Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1205002
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1206205
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Zur Natur und Geschichte der h( 
ländischen Kunst. 
Wie. aber hat auch dies Letztere Potter so grossartig gekonnt! 
Die Kuh liegt in beschaulicher Ruhe da, der Stier, wild und 
gefährlich, wittert Etwas uud der Mann lächelt dazu. Auch 
in diesem Zuge, dem Vorhandensein eines inneren Zusammen- 
hanges in seinem Bilde. deutet sich die hohe Stellung Potters 
innerhalb der holländischen Malerei an. 
Nicht ganz so glücklich ist im Allgemeinen die hollän- 
dische Malerei auf einem anderen Gebiete, das man als einen 
Theil der Landschaftsmalerei in weiterem Sinne ansehen muss- 
auf dem Gebiete der Stadtansichten und der Architektur- 
bilder. Und das ist auffällig genug. Allerdings haben die 
rothen Backsteinhäuser mit den weissen Fensterrahmen und 
Gesimsstreifen keine architektonische Kunstform, weder im 
Ganzen noch im Einzelnen, sie haben vielmehr etwas Lang- 
weiliges und Gleichgültiges, besonders wenn in ganzen Strassen, 
ganzen Städten eines neben dem anderen steht. Aber sie 
werden durch ihre Lage an den mit Bäumen besetzten Grachten 
und Kanälen, durch die wechselnden Beleuchtungsverhältnisse 
stimmungsvoll und malerisch anziehend. Diese Grachtstrassen 
sind wahrhaft lauschig und heimlich, und wenn man sie 
hinunter blickt bis an die nächste Krümmung des Kanals. so 
sieht man da ein Bild, das recht etwas gemüthvoll Anregendes 
hat. Durch die Bäume scheint mit gebrochenem Lichte die 
Sonne auf Wasser, Brücken, Strassen und Häuser, und bringt 
reizende Wirkungen hervor, die still bescheiden sind und 
darum etwas ungemein Ruhiges und Bertlhigendes haben. 
Selbst an warmen Sommertagen ist der Ton, der diese XVir- 
kungen bestimmt, ein kühler, denn die Luft, die imiI-lalbschatten 
unter den grünen Bäumen lagert, bleibt immer in gemässigter 
Wärme; sie zittert und kocht nicht, wie sie es an heisseren 
Orten, in heisseren Gegenden thut. Ein Fenster, das von 
unten herauf etwas in die Höhe geschoben, aber bis zu dieser 
OeEnung mit Vorhängen bedeckt ist, leitet den Blick 
ins Innere des Hauses, in dunklere Räume. Das Dicht, welches 
von unten her unter den Vorhängen in die Stube fällt, ist 
gebrochen und breitet sich nur in einem behaglichen Halb- 
schatten da aus. Und bei wechselndem Lichte ist immer 
Veränderung, immer ein Spiel mannigfacher Lichter und
        

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