Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abhandlungen und Forschungen zur niederländischen Kunstgeschichte
Person:
Riegel, Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1205002
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1206133
mdscl 
aftsmalerei 
Die Landschaft 
land. 
in Hol 
S7 
lyrisch, sie besteht in Stimmungen; und Stimmung, malerische 
Stimmung ist ja wiederum auch die eigentliche poetische Seite 
der holländischen Malerei überhaupt. So begegnete sich der 
Künstler mit seinem Gegenstande, und so erklärt es sich, dass 
die hervorragenderen Werke der holländischen Landschafts- 
malerei so stimmungsvoll, so poetisch sind. Aber vielleicht 
befremdet es den Leser, dass die flache und einförmige Land- 
schaft Hollands solche poetische Vorzüge haben soll! Es ist 
wahr. das eigentliche Holland ist Wiesen- und Weideland. 
Durch die einförmige, grüne Fläche ziehen die Kanäle, auf 
denen ab und zu ein Ziehschiff, die sogenannte Treckschuite 
erscheint, und die schmalen Landstrassen, die mit Backsteinen 
sehr gleichmässig gepflastert und rechts und links mit hoch- 
stämmigen Bäumen knapp besetzt sind. Auf den Wiesen 
selbst weiden Rinder und Pferde, Hirten stehen herum oder 
melken ihr Vieh, saubere Melkgeräthe und Milchbehälter 
werden an- oder weggefahren, Hunde treiben ihr Wesen, und 
bisweilen kommt denn auch ein Bauerwagen auf der Land- 
strasse daher gefahren. Es ist eine einfache, einförmige Land- 
schaft. und selbst ihre Unterbrechung durch ein Gehölz oder 
eine Windmühle, ihre Begrenzung durch die Dünen der 
Nordsee ändern ihren Charakter nicht. Aber welchen Reiz 
getvinnt diese Landschaft unter dem lebendigen Wechsel von 
Licht und Schatten, Tönen und Farben! Freilich eine südliche 
Gluth und Farbenpracht wird niemand hier erwarten. Die 
Töne behalten immer eine gewisse Kühle, und lebhafter-e 
Farben lösen seltener das vorherrschende Grau ab. Aber die 
Stimmung ist von einer sehr grossen Zartheit und Feinheit. 
Das NVesen derselben ist das Helldunkel. Die Luft selbst ist, 
Wie oft, dunstig und doch hell. Ganz eigenartige Töne sind 
C8, die man da sieht. In der Dämmerung ist Klarheit. Wie 
reizvoll sind bisweilen auch die Wolkenbildungen, wenn sie im 
schimmernden Silbergrati über die halb von der Sonne beschie- 
nene, halb im Schatten liegende Landschaft langsam dahin 
ziehen. Was lässt sich dabei Alles fühlen, sinnen und denken, 
wenn man so recht diese Stimmung in sich aufnimmt! Das 
sind Bilder voll von einer zarten, bescheidenen und rein 
lyrischen Poesie. Bedeutende Formen und deren epische oder
        

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