Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1407870
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STATUEN FÜR DIE NISCHEN etc. 
handelt, und wie schön rahmen sie das Gesicht ein. Der ge- 
kräuselte Vollbart ist nicht in der öden Bohrtechnik ausgeführt, 
nein, sondern in der weichen, feinfühligen Art, wie das Haar 
an den besten griechischen Porträtbüsten behandelt ist, wie 
z. B. an dem Homerkopf im capitolinischen Museum, am Her- 
kuleskopf in der Villa Borghese. Die vertretenden Partien, 
Löckchen, Haarstreifen sind zunächst als compacte Massen mit 
bestimmten Flächen, doch aufsWeichste und Duftigste heraus- 
gemeisselt; zugleich ist ihnen durch edel geschweifte Umrisse 
und Detaillirung der Charakter lockigen Haares gegeben. Diese 
Massengruppirung verhindert sowohl das drahtartige Aus- 
sehen, das entsteht, wenn blindlings jedes Härchen nachgeahmt 
ist, ebenso wie das Schwammartige der schablonenhaft durch 
Bohrung belebten Haare, wie sie bei den späten Römern be- 
liebt waren. Und dabei bildet das Ensemble der Haare eine 
schöne Ornamentik stylvoll zusammengeordneter Linien und 
Gruppen, doch fern von aller manierirten Härte und Isolirung 
der einzelnen Theile, sondern mit all' der Weichheit der Ueber- 
gänge und des Gesammtzusammenhzinges, wie ihn die Natur 
zeigt. Mit wie feinem Gefühl für Schönheit und Charakteristik 
sind an dieser Statue die Löckchen des Schnurrbarts um die 
Mundwinkel gruppirtl 
Wie belebt und gleichsam sprechend ist der feingeschnittene 
Mund; mit kräftigem Schnitt ist die seitliche Backenlläche von 
der Partie neben der Nase und unter dem Auge getrennt, ein 
feiner Zug zieht sich am lebendig modellirten Nasenflügel hin. 
Die Augenbraue ist wie nachdenklich etwas in die Höhe ge- 
zogen, und trefflich harmonirt der Ausdruck des tiefliegenden, 
nobel blickenden Auges mit dem feingespaiuntcn Mund. Die 
Nase ist gerade, mit kräftiger Unterpartie. Die Hände sind mit 
grossen, festen Hieben, aber ebenfalls wunderbar lebendig aus- 
geführt. Ueberhaupt ist die Statue mit kühner, fester Hand ge- 
meisselt und scheint das Lebensgefühl gleichsam direct aus der 
Werkstätte der Natur in Donatellds Herz und aus diesem in 
seine Hände übergeflossen und mit funkensprühender Energie 
in den Marmor eingehauen worden zu sein. Am Sockel steht 
mit xveisser Marmorschrift auf schwarzem Mosaikgrundl 
S. Petrus Ap. Das Tabernakel ist nach dem System der bisher
        

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