Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1407799
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STATUEN FÜR DIE NISCI-IEN m. 
voll lebendig ausgestreckt vom Leibe absteht, halb in den Mantel 
gehüllt. Der Engel erhebt mit ernstem Ausdruck im jugendlich 
schönen Antlitz die Rechte prophczeiend empor, die Linke, in 
Gewand eingehüllt, fällt an der Seite herab, während die ge- 
bogene Hand den Mantel über die Beine zieht. 
Diese Statuetten haben viel Verwandtschaft mit Donatellds 
ersten Figuren am zweiten nördlichen Domportal; so nament- 
lich auch in der weichen, graziösen Biegung des Leibes und 
dem bestimmten Ruhen auf einem Standbein. 
Von dem einen der Schüler des Niccolo, Giovanni 
d' Antonio di Banco, rührt vielleicht die älteste der Statuen 
her, welche die Aussenseite von Or San Michele schmücken; 
wenigstens ist ihr Charakter der alterthümlichste. Es ist dies 
die Figur des S. Jacopo in der Nische der Kürschner. Wir 
haben hier wieder dasselbe geleckte, süssliche Gesicht, wie an 
der Statue des Evangelisten S. Lucas vom nämlichen Künstler. 
An der ganzen technischen Ausführung dieser Statue ist noch 
viel von der alterthümlicheti Härte und Rohheit zu bemerken, 
besonders in der Bildung der Augenbrauen und des Bartes. Am 
dicken Bauch, sowie an den Händen ist ein nicht ganz glück- 
licher Anlauf zum Realismus zu bemerken; ebenso zeigen die 
Gewandfalten eine Mischung von Realismus und Archaismus, 
mit starkem Vorvviegen des letzteren. Die Haltung der ganzen 
Statue, besonders der Arme, ist unbehilflich, steif und befangen. 
Vermuthlich ist die Statue gleichzeitig mit dem S. Lucas des- 
selben Künstlers vom Jahre 1407 an ausgeführt worden. 
Das darunter befindliche Relief des Nischensockels ist viel 
geschickter behandelt und beweist von Neuem, wie die zahl- 
reichen Arbeiten der Goldschmiede vom 14. Jahrhundert in ge- 
triebenem Silberblech, sowie Bronce auch vortheilhaft auf die 
Ausführung kleinerer Figuren in Steinrelief wirken mussten. 
Die Gruppe Zierlicher Figürchen im Zeitcostume stellt die 
Köpfung des Heiligen dar. Zu beiden Seiten dieses Reliefs be- 
findet sich Rankenwerk in Relief, ganz im Styl desjenigen von 
Niccolö d'Arezzo an der zweiten nördlichen Domthüre. An 
den Ecken des Sockels sind Wappenschilde mit dem Abzeichen 
der Zunft, Eicheln und einem Schaf, angebracht. Ueber dem 
Sockel erheben sich seitlich zwei eckige Pilaster mit Täfelungen
        

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