Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1407710
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HERSTELLUNG VON VIER EVANGELlSTEN-FIGUREN 
Durch einen Beschluss vom 12. November 1408 beauf- 
tragten die Operai des Domes die drei Künstler Niccolo di 
Piero d'Arezzo, Nanni d'Antonio diBanco undDona- 
tello damit, dass jeder von ihnen eine sitzende Evangelisten- 
statue herstellte, welche in den Nischen aufgestellt werden soll- 
ten, welche paarweise das Hauptportal des Domes Hankirten. 
Da hier, wie wir im VI. Capitel sahen, bereits Statuen des 
Piero di Giovanni angebracht worden waren, so scheint es, 
wollte man, mit denselben nicht zufrieden, sie durch neue er- 
setzen. Wir sehen hier wiederum dieselben Künstler miteinan- 
der arbeiten, welche schon am zweiten Nordportal gleichzeitig 
beschäftigt waren; während aber dort Niccolo von Arezzo noch 
als der leitende Künstler auftrat, erscheint er jetzt bereits nur 
noch im Wettkampf mit seinen jüngeren Gefährten. 
Nanni d' Antonio di Banco erhielt den Evangelisten 
S. Lucas; Niccolö d'Arezzo den S. Marcus; Donatello den 
S. Johannes in Auftrag. Wessen Statue am besten gefallen 
würde, der sollte auch noch den S. Matthäus ausführen. Viel- 
leicht um Eifersucht zwischen den Künstlern zu verhüten, wurde 
jedoch im darauffolgenden Jahre bestimmt, dass Bernardo di 
Piero Ciuffagni die vierte Statue herstellen sollte. 
Sämmtliche vier Statuen, welche seit der barbarischen 
Zerstörung der Facade im Jahre 1586 in den vier Capellen zu 
beiden Seiten des Domchor-Octogons im schlechtesten Lichte 
stehen, sind thronend in der Art römischer Imperatoren dar- 
gestellt, indem sie die eine Hand auf ihr Evangelium stützen. 
Als die Statue des S. Marcus von Niccolo d' Arezzo lässt sich 
mit Bestimmtheit die Figur in der ersten Capelle rechts vom 
Octogon bezeichnen, wenn man deren Kopf mit den Männer- 
typen an der zweiten nördlichen Domthüre vergleicht. Hier wie 
dort die rundliche Kopfform, der runde Vollbart, der mürrische 
Ausdruck im Munde, die scharf schattirten Backenknochen, die 
etwas stumpfe Nase, die düsteren Augen. Mit derselben Sicher- 
heit konnten wir den S. Johannes Evangelista des Donatello 
in der Statue der zweiten Capelle rechts constatiren. Der Kopf 
dieser Figur ist voller Leben, Liebenswürdigkeit und Adel. In 
den niedergeschlagenen Augen, dem lächelnden Munde und der 
vornehmen, gestreckten Kopfhaltung scheint sich ein zurück-
        

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