Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1407691
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ANDERE BEISPIELE DES ÜBERGANGSSTYLS IN ARCHITEKTUR etc. 
gebogene rechte Arm die gespreizte Hand über die linke Brust 
legt. Der breite, sinnlich lächelnde Kopf neigt sich nach rechts, 
einige Haarlocken fallen auf den Nacken. Es ist hier ebensowohl 
in der Stellung eine naive Anlehnung an antike Venusmotive 
erkenntlich, als in dem Nackten schon ein sehr energisches, 
eindringendes und selbst nicht empfinciungsloses, aber doch 
noch ein ungeschicktes und naiv-derbes Studium der Natur 
sichtbar ist. Die gespreizte Hand ist echt modellhaft. Dabei er- 
innert die ganze Composition wie zahlreiche Einzelnheiten ent- 
schieden an Donatellds Styl. Die Art, wie das hinten auffal- 
lende Gewand die Festigkeit der Beine verstärkt, die Biegung 
des Armes, dessen Form, ja selbst das Gesicht, weisen direct 
auf Donatello hin. Ebenso die graziöse Verneigung des Ober- 
körpers nach der den Beinen entgegengesetzten Richtung. Diese 
Bewegung, die später bei Donatello zum entschiedeneren Aus- 
drucke kommt, ist hier im Keime gleichsam schon angedeutet. 
Es ist im höchsten Grade wahrscheinlich, dass wir hier eine 
der frühesten Jugendarbeiten Donatello's vor uns haben. 
Dasselbe glauben wir von einem Basrelief in Sandstein von 
0'84 M. Höhe und 1'83 M. Länge annehmen zu dürfen, das in einem 
seitlichen Corridor, der vom Hofe des Palastes Canigiani in das 
Innere des Hauses führt, eingemauert ist. Jedenfalls rührt dasselbe 
vom nämlichen Künstler her, wie die eben beschriebene Statue, 
mit der es in vielen Einzelnheiten, wie der knochigen Ausprägung 
der Ellenbogen, der Art der Armbiegungen, den Gewandfalten über- 
einstimmt, ebenso wie diese Einzelnheiten beider Reliefs zugleich 
auch charakteristische Merkmale des Donatelldschen Styles sind. 
Das Relief zeigt nicht nur in der flachen Behandlung, in 
dem Bestreben, eine jede Figur möglichst selbsständig durch 
Bewegung und Linien wirken zu lassen, in der gleichmässigen 
und sparsamen Vertheilung der Figuren, sondern auch in der 
andeutungsweisen Composition und in der Zusammenrückung 
verschiedener Scenen in eine Composition ein veräständnissvolles 
Studium der feinsten Stylgesetze der griechischen Sculptur, wie 
es weder in den vorhergehenden mittelalterlichen Epochen be- 
kannt war, noch auch von Ghiberti verfolgt wurde, der viel- 
mehr gerade die malerische Füllung des Reliefs und die Ein- 
heit der Handlung innerhalb desselben Rahmens durchführte.
        

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