Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1407627
KÜNSTLER 
ZWEITEN DOMPORTALS 
nachweisen, und es liegt nahe, die weniger guten Theile als 
Werke des Antonio und Giovanni zu betrachten, um so mehr, 
als die Documente dies zulassen. 
Die Engel auf der rechten Seite des Portals sind weniger 
fein ausgeführt, als jene links, sind also wahrscheinlich Werke 
des Antonio und Giovanni. Ebenso sind die sechs singenden 
Engel in den Medaillons des Lunettenbogens von roherer Arbeit, 
als die rechts unten. Der sterbende Christus in der Mitte des 
Bogens ist dagegen schon vortrefflich in den anatomischen 
Details und in der realistischen Emphndung und wahrscheinlich 
ebenso wie die Engel rechts unten ein Werk des Niccolo. Diese 
Engel mit ihren lebensvollen Köpfen, mit der bestimmten und 
zugleich weichen Modellirung, mit dem saftigen und aus lauter 
Lebensfülle schwärmerischen Mund, dem die affectirte Bitterkeit 
wie die unbestimmte Süssigkeit der früheren Epochen gleich 
fremd ist, sind bereits wahre Werke der Renaissance. Auch 
das Gewand daran zeigt schon einen bedeutend fortgeschrittenen 
Realismus, wenn auch Donatellds Detailstudien noch nicht 
daran zu sehen sind. 
Fassen wir das Resume der Einflüsse, welchen Niccolo 
d' Arezzo folgend, der Renaissance so nahe kam, zusammen, 
so glauben wir nachgewiesen zu haben, dass er manchen reali- 
stischen Anstoss dem deutschen Piero di Giovanni verdankt, 
dass er durch diesen Anstoss veranlasst ward, mit eingehender 
Liebe und mit Glück antike Motive in Ornamentik und Figuren, 
antike Eleganz und Wahrheit der Formen, sowie antikes Streben 
nach weicher, heiterer und harmonischer Wirkung in seinem 
Schaffen aufzunehmen und anzustreben. 
Nicht ohne bedeutenden Einfluss auf seine vervollkomm- 
nete Technik und Formenbildung mochte das verwandte Streben 
des tüchtigen Jacopo di Piero sein, sowie er endlich selbst 
natürlich eine gute Dosis eigener Begabung mitbringen musste, 
um aus diesen verschiedenen Elementen und Einflüssen ein 
neues Ganzes zu schaffen, das einen entschiedenen und ent- 
scheidenden Schritt nach Vorwärts, der Renaissance entgegen, 
bezeichnet.
        

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