Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1407593
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KÜNSTLER DES ZWEITEN DOMPORTALS etc. 
  
Dombaumeister Giovanni d'Ambrogio, in der architektoni- 
schen Anordnung, sondern auch die ausführenden Bild- 
hauer, Niccolö von Arezzo und Antonio di Banco und sein 
Sohn, das südliche Portal des Piero di Giovanni Tedesco zum 
Vorbild nahmen. 
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Allerdings besteht die Aehnlichkeit der Sculpturen am 
nördlichen Portal mit denen am südlichen mehr nur in der 
geistigen Auffassung und in den Motiven, mit denen sie ge- 
meinsam Front gegen die unmittelbar vorhergegangenen trans- 
cendentalen Tendenzen machen, als in der Ausführung selbst. 
Auch an ihren Motiven selbst ist an und für sich nicht Alles 
neu gegenüber den früheren Werken des Mittelalters in seinem 
ganzen Umfang, wohl aber gegenüber der unmittelbar vorher 
herrschend gewordenen Richtung. 
Wir haben bereits angeführt, dass schon die Pisaner mit 
Vorliebe Akanthusranken mit allerlei Genreügürchen belebten. 
Und wie bei ihnen deutlich darin die Imitation nach antiken 
Ornamenten hervortritt, ebenso scheinen Piero di Giovanni und 
"Niccolo d'Arezzo, sowie auch Jacopo di Piero an seinem TaufÄ 
brunnen in Orvieto wieder dieselben Muster vor Augen gehabt 
zu haben. 
Ausserdem tritt bei Piero di Giovanni und Niceolo 
d'Arezz0 (sowie auch Jacopo di Picro) ein Motiv besonders 
hervor, was bei ähnlichen pisanischen Arbeiten Weniger be- 
merkbar ist: die Darstellung nackter, schalkhafter, 
scherzender, spielender musicirender Putten, ein 
Motiv; was später in der eigentlichen Renaissance eine Haupt- 
rolle spielt, hieruaber bereits in der Idee und in den Bewegungen 
schon völlig entwickelt erscheint. Dies und die Liebe zu hei- 
terem Realismus und liebevoller Naturbeobachtung ist das, was 
die Künstler des nördlichen Portals hauptsächlich mitdem 
deutschen Bildhauer gemeinsam haben und Wozu sie ihm ver- 
muthlich die Anregung verdanken. Obwohl er alsiDeutscher 
ein Vertreter der Gothik war, welche in Italien den Strom 
classischer [leberliefertlng und classiscluen Realismus' gehenlmt 
und irregeleitet hatte, so trug er anderseits als spätgothi- 
scher Realist doch gerade dazu bei, vom Realismus aus 
auch das Studium der Antike wieder zu fördern. Dass er
        

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