Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1407550
54 
KÜNSTLER DES ZWEITEN 
DOM 
)ORTALS etc. 
seinen frühesten Kunstgenossen häufig wiederholt und das er 
dem Niccolo d'Arezz0 entlehnt haben mag, ebenso wie dieser 
es mit anderen Bildhauern des 14. Jahrhunderts gemein hat, 
wie zumal an den älteren Statuen, die den Dom und Glocken- 
thurm schmücken, ersichtlich ist. Die andere Figur befindet 
sich in ruhender Stellung, indem sie die eine Hand anmuthig 
über den Leib, die andere über die Brust hält. Dies sind neue 
pathetische Motive, die jedoch gleichfalls schon an Niccolo von 
Arezzds Werken vorkommen. 64 
Ein neuer Drang nach Belebung ist in diesen Statuen, neben 
einiger Befangenheit, unverkennbar. Zugleich zeigen sie grosse 
Verwandtschaft mit Niccolo's Werken, die wir theils schon be- 
sprochen, theils noch zu besprechen haben. Ein gewisser deut- 
scher spätgothischer Einfluss ist vielleicht in der starkbetonten 
Windung des Leibes zu erkennen. Eine besondere charakteri- 
stische Eigenthümlichkeit Donatellds, die aber schon hier her- 
vortritt, und ebenso sein Studium der Antike, wie eine der 
Haupteigenschaften aller Renaissance-Statuen andeutet und be- 
zeichnet, ist die Bestimmtheit und Energie, mit welcher diese 
Statuen auf ihrem Standbein ruhen und sich in die Hüften 
werfen; eine Eigenschaft, die in so vortheilhaftem Gegensaitze 
zu  der sackartigen Verhüllung der Beine an den Statuen des 
14. Jahrhunderts steht. Während hier der conventionelle, mono- 
tone Fall der Gewandung den Mangel des richtigen und be- 
stimmten Stehens der Figuren verhüllen soll, gelangte seit Dona- 
tello und theilweise schon Niccolo dlArezzo die Tendenz zur 
Herrschaft, das Gewand nicht nur naturwahr zu behandeln, 
sondern dasselbe zugleich, nach dem richtigen Stylprincip der 
Alten, vermöge charakteristischen W urfe s, das darunter liegende 
Nackte schön und bestimmt ausprägen zu lassen. 
Mit diesen Figuren betheiligte sich Donatello an der Aus- 
schmückung des zweiten nördlichen Domportals, das zum gröss- 
ten Theil dem Niccolo di Piero d'Arezzo zur Ausführung an- 
vertraut war. Hiemit trat Donatello jedenfalls in directen Ver- 
kehr mit dem aretinischen Künstler,  ohne Zweifel unter 
dessen Leitung. Möglicherweise hatte dieser bereits im Februar 
1402 den Auftrag zur Herstellung des Thürbogens erhalten, 
gemeinsam mit Lorenzo di Giovanni d'Ambrogio und Urbane
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.