Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1407506
ER SCU 
PTUR-RENAISSANCI 
GÜNSTIGE IIAUVERH 
ÄLTNISSE 
gehörte, und zügelten durch Gesetze den Uebermuth der Albizzi- 
sehen Partei; ja Piero selbst wurde hingerichtet. Die eine Be- 
wegung rief jedoch eine andere, wildere hervor, die in ihrer 
Tendenz derjenigen verwandt war, die schon im 13. Jahrhun- 
dert durch Giano della Bella erregt worden war. Die unterste 
Classe des Volkes, diejenigen Arbeiter, welche vermöge ihres 
niederen Handwerkes keine eigene Zunft bilden konnten, dach- 
ten, was hilft es uns, wenn unsere Herren unter einander um 
die Herrschaft streiten; versuchen wir es, diese ganze Classe 
der "fetten" Bürger zu stürzen und uns der Herrschaft zu be- 
mächtigen, dann werden wir unsere Lage bessern. Die Sans- 
culotten von damals, „die Ciompi", erstürmten den Regierungs- 
palast; ihr neuerwählter Gonfaloniere, Micchele di Lando, ob- 
wohl von niederster Herkunft, handhabte jedoch die Staats- 
leitung voller Mass und Verstand. Ja, er liess sich, zum Schaden 
seiner Partei, zu sehr in Transactionen mit den Ricci und Me- 
dici ein, so dass diese bald unvermerkt dem Volke wieder die 
Zügel der Regierung entwunden hatten. Und als sie sich bald 
durch Gewaltacte gegen das Volk wie gegen die Albizzfsche 
Partei allgemein verhasst machten, gelang es dieser letzteren 
wieder, im Jahre 1382 sich der Staatsleitung zu bemächtigen, 
der sie fortan 50 Jahre lang zwar mit Härte, doch auch mit 
grosser Energie, mit Patriotismus, Ruhm und Glück oblag. 
Es ist schwerlich zufällig, dass mit dem Wiedereintritt 
dieser Partei in ihre seit vier Jahren verlorene Machtstellung 
auch ein neuer Eifer in den öffentlichen Bauten, zumal in den 
Arbeiten des Doms erwacht. Und zwar werden jetzt zunächst 
bis in die ersten Jahrzehnte des 15. Jahrhunderts hinein haupt- 
sächlich bildhauerische Arbeiten zur Ausschmückung der 
Facade, des Glockenthurmes, sowie der neuen Portale unter- 
nommen, welche am verlängerten Langschiff, zunächst der Chor- 
tribüne, eines südlich und eines nördlich angebracht wurden. 
Ausserdem beginnt man den Bau der Capellen um das Chor- 
octogon herum (am 1. Januar 1383). Die Capelle der heiligen 
Maria wird 1398 vollendet und von den Malern Lorenzo di 
Bicci, Mariotto Nardi, Giuliano d'A rrigo (genannt Pesello), so- 
wie Ambrogio Baldessi ausgemalt; andere werden erst im Laufe 
des 15. Jahrhunderts vollendet, worüber später. 
Quellcnschrifren f. Kunstgesch. IX. 4
        

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