Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1407397
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Hingebung. So lange man ihn nicht beleidigte oder zurück- 
setzte, bezeigte er die äusserste Liebenswürdigkeit gegen Jeder- 
mann und war stets mit Rath und That zur Hilfe bereit. Legten 
ihm aber Neid und Unvermögen Hindernisse in den Weg, oder 
geschah ihm sonst ein Unrecht, so empfand er es tief und 
ward von Bitterkeit gegen seine Beleidiger erfüllt; zwar ertrug 
er die Kränkung schweigend, so lange der Sieg seiner Ideen 
von Geduld und Ueberredung abhing; hatte er aber das Heft 
in Händen, dann wusste er sich durch schneidenden Hohn an 
seinen Gegnern und Belästigern zu rächen. Ja, sein Hang zum 
Sarkasmus traf oft auch harmlose arme Teufel. Nur manchmal 
riss seine Geduld, und er konnte das Werk langer Mühen wieder 
zerstören, um sich nicht den Launen Anderer fügen zu müssen. 
Keine bessere Ergänzung hätte seine etwas herbe Natur 
finden können, als in Donatellds sanguinischem, sorgloserem 
Temperament. Zwar fehlte auch diesem keineswegs weder Ehr- 
geiz noch reizbarer Künstlerstolz (wie er zumal letzteren mehr- 
mals in seinem Leben bewies), allein andererseits behandelte er 
doch auch die unbedeutendsten Aufgaben mit derselben Liebe 
wie die grossen; der geringere Grad von verzehrendem Ehr- 
geiz ward bei ihm ersetzt durch eine ungemeine Lebendigkeit 
und Freudigkeit in der Auffassung alles dessen, was ihn um- 
gab oder beschäftigte, sowie durch eine vielleicht einzige Leich- 
tigkeit geistreicher und gehaltvoller Production. Hiermit hängt 
zusammen sein lebhaft Alles mitempfindencles Herz, seine echt 
poetische Intuition. Den tiefsten Schmerz erfasst er in seiner 
ganzen Grossartigkeit und tragischen Poesie, die tollste, heiterste 
Laune stand ihm ebenso zu Gebote. 
Er besass ohne Zweifel einen Humor und eine Elasticität, 
um die sein cholerischer Freund ihn wohl manchmal beneiden 
mochte. 
Brunellesco, als der Aeltere und Rellectirterqemochte im 
Anfang ihrer Laufbahn eine Art leitender und rathender Stel- 
lung seinem Freunde gegenüber einnehmen, so dass die beiden 
Künstler persönlich dasselbe Verhältniss zu einander einnahmen, 
als es den von ihnen vertretenen Künsten zu einander ange- 
messen ist. Und wirklich erklären sich vielleicht auch zum Theil 
aus diesem persönlichen Verhältniss der beiden Gründer der
        

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