Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1407331
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CONCURRENZ FÜR 
ZXVEITE BRONCETHÜRE 
DIE 
DES BAPTISTERIUMS. 
gangsstyl daselbst herrschend war, ist von grossem Interesse 
und trefflich dazu geeignet, Licht über die Art und Weise zu 
verbreiten, wie der sienesische Künstler dazu kommen mochte, 
fast gleichzeitig mit den Florentinern verwandte Bestrebungen 
zu verfolgen. Auch Giacomo della Guercia war einer der frühe- 
sten Apostel der Renaissance. Unhaltbar ist aber die vielfach 
verbreitete Annahme, als könne er „in Betreff der neuen Auf- 
fassungsweise sogar gegenüber der Horentinischen Sculptur eine 
zeitliche Priorität in Anspruch nehmenÜ-"lg Denn nicht nur be- 
halten die übrigen Sienesen, wie Giovanni Turini und Andere, 
bis tief in's 15. Jahrhundert hinein im Styl ihrer Figuren den 
archaischen Charakter des 14. Jahrhunderts bei, sondern auch 
Giaeomp della Guercia selbst folgt in seinen figürlichen, wie in 
seinen ornamcntalen Sculpturen den Horentinischen Neuerungen 
zeitlich nach. ln seiner Ornamentik bewahrte er noch bis tief in's 
15. Jahrhundert hinein die gothischen Formen, wenn auch mit 
feiner, technischer Ausführung, sowie schwungvoller Zeichnung 
und Belebung bei. Seine Ornamentilt bewahrt in dieser Be- 
ziehung noch bis weit in das 15. Jahrhundert hinein einen ver- 
wandten Charakter mit der Uebergangs-Ornamentik des Niccolo 
d'Arezzo und ist allerdings auch, wie diese, bereits mit reinen 
Renaissance-Motiven vermischt. Ebenso nimmt seine Behandlung 
der Gewandung und des Nackten nie den realistischen Charak- 
ter an, welchen Donatello und seine Schüler in ihren Kunstwerken 
durchführten, sondern erinnert durch gewisse Härten und con- 
ventionell-idealistische Styleigenthümlichkeiten fortwährend an 
die Periode zurück, welche den Ausgangspunkt der florentini- 
schen Renaissance bildete. Da es nun ferner eine Thatsache 
ist, dass, wic wir schon andeuteten und noch weiter auszu- 
führen haben werden, Niccolo d'Arezzo der Erste war, der 
einen solchen Vermittlungsstyl zwischen Gothik und Renaissance 
in die Kunst einführte und mehrere Schüler ausbildete, die, 
von gleichem Alter untereinander, anfangs in demselben Styl 
wie Niccolo d'Arezz0 fortarbeiteten, sowie dass damit Niccolö 
d'Arezzo überhaupt auf die Sculpttir des beginnenden 15. Jahr- 
hunderts einen massgebenden Einfluss ausübte, so wird Llngere 
Ansicht nicht zu gewagt erscheinen, dass auch Giacomo dslla 
Guercia entscheidende Eindrücke von Niccolo d'Arezzo empfing,
        

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