Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1407300
DIE FLORENTINISCHE SCULPTUR VOR 
DONATELLO. 
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führte, und die seit ihm in der ganzen Renaissance Geltung 
behielt, ist der umgeworfene Mantel, den er seinen Statuen 
gibt. Ein Motiv, das fast unverändert Donatello von ihm an- 
nahm. Während das Costume darunter der antike Chiton bleibt, 
wird dieser meist vor dem Halse befestigte Mantel in mannig- 
facher und faltenreicher Anordnung den Figuren lose umgeworfen 
und bildet so ein neues, energisches Mittel zum Ausdruck der 
Empfindung und zur malerischen Gliederung des Ganzen; auch 
fördert diese Art der Drapirung ein freieres Spiel der Hände 
und des ganzen Körpers. Eine kräftige und geschickte Verthei- 
lung von Licht und Schatten unterstützt diese Behandlungs- 
weise und entspricht ihr zum Theil. Damit in entschiedenem 
Zusammenhang steht auch der fortgeschrittene, wenn auch noch 
nicht völlig durchgeführte Realismus im Faltenwurf. Dabei sind 
seine Köpfe voller Ausdruck und stimmungsvoll schattirt. 
Die übrigen nachweisbaren Werke Niccoläfs fallen theils 
gewiss, theils Wahrscheinlich (wie das treffliche Relief der 
schützenden Madonna an der Misericordia in Arezzo) erst in 
den Anfang des 15. Jahrhunderts, und sollen desshalb erst bei 
der Schilderung dieser Kunstperiode wieder zur Sprache kommen. 
Nur so viel. Im Jahre 1400 liess Bonifacius IX, von dem 
Gelde, das er von den Römern erhielt, um ihn zur Rückkehr 
nach Rom und zur Feier des Jubiläums zu bewegen, die Engels- 
burg befestigen. Niccolo di Piero wurde mit dieser Aufgabe 
betraut, woraus sich ergibt, dass er auch als Architekt sich 
bereits einen Namen gemacht haben musste. Für das Jahr 1400 
fehlen gerade Documente, welche Niccoltfs Anwesenheit in Flo- 
renz nachwiesen, was VasarTs Angabe über seine Thätigkeit in 
Rom unterstützt. 
Diese Anwesenheit des Niccolo in Rom an der Scheide 
des I4. Jahrhunderts muss von grosser Bedeutung für seine 
wie für die ganze Kunstentwickltltig des 15. Jahrhunderts ge- 
Wesen sein. Ohne Zweifel gab er sich, so viel ihm Zeit blieb, 
einem begeisterten Studium der antiken Statuen und Ornamente 
hin, und wir werden später sehen, welche speciellen Anklänge 
an antike Werke er diesem Studium zu verdanken haben 
mochte. Zugleich mochte er bei seiner Rückkehr in Florenz 
durch seine Schilderungen in Schülern und Freunden das Ver-
        

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