Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1407299
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DIE FLORENTINISCHE SCULVTUR VOR DONATELLO. 
wie im Ausdruck der Empfindung wahr, natürlich und mensch- 
lich, bald heiter scherzend, lächelnd, träumend, bald leiden- 
schaftlich erregt darzustellen. 
Wir wollen hier des Zusammenhangs wegen in Kürze die 
wichtigsten Daten aus Niccolo's Leben und Wirken bis zum 
Auftreten der Renaissance-Koryphäen zusammenfassen, indem 
wir zugleich auf die aulsführlichere Darstellung in einer unserer 
früheren Schriften als Ergänzung hinweisen. Was Niccolö's 
Thätigkeit im Anfang des 15. Jahrhunderts betrifft, so ist die- 
selbe bereits so mit dem Wirken seiner Schüler und jüngeren 
Rivalen verflochten, dass wir es für besser halten, später wieder 
darauf zurückzukommen. 
Niccolo d' Arezzo war nach Vasari ebenso begabt und 
von lebhaftem Gemüth, als er von Haus aus mit irdischen 
Gütern nicht gesegnet war. In Folge eines Zerwürfnisses mit 
seinen Verwandten und da er Arbeit suchte, siedelte er nach 
Florenz über und übernahm anfangs alle Arbeiten, die ihm 
unter die Hände kamen, sowohl weil ihn die Noth drängte als 
auch weil er die Concurrenz anderer junger und tüchtiger Bild- 
hauer zu bekämpfen hatte. (Unter diesen war wohl Jacopo di 
Piero der bedeutendste.) Von den Jahren 1388 bis 1393 war 
er noch blos als Steinmetz damit beschäftigt, einige Fenster- 
einfassungen für den Dom, sowie sechs Wappenschilde für die 
Loggia dei Signori herzustellen. Wenn er, wie zu vermuthen, 
diese Arbeiten als Jüngling durchführte, so mochte er etwa 
1.370 geboren sein. Von 1393 bis 1402 hat er schon eine Reihe 
von Freistatuen für den Dom auszuführen. Hievon lassen sich 
zwei Statuen an der Ostseite des Glockenthtlrnles von Giotto 
mit Bestimmtheit als seine Arbeit nachweisen. Ein gewaltiger 
Umschwung, der sich in der Sculptur zu vollziehen beginnt, 
gibt sich an denselben kund. Lebhafte individuelle Empfindungen 
und Bewegungen, grössere Freiheit in der Drapirung, sowie 
ein Streben nach Naturwahrheit im Faltenwurf stehen hier in 
vortheilhaftem Gegensatz zur passiven, falsch-classischen Ruhe 
und monotonen Motivirung der meisten Gewand-Statuen vom 
Ende des 14. Jahrhunderts, wie deren z. B. an der Südseite 
des Campanile stehen. Besonders hervorzuheben als eine wich- 
tige Neuerung, die er in der Drapirung der Statuen ein-
        

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