Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1407283
DIE FLORI 
INTINISCHE SCULPTUR VOR 
MONATE] 
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tails sind.  Wir haben in einer früheren Schrift ausführlich 
gezeigt, wie Piero di Giovanni an einer "Fhüreinfassung des 
Doms nicht nur in den ornamentalen Theilen, neben stren- 
geren Akanthtlsranken im alten Styl, auch Feigeubläftßf mit 
Feigen, Eichenlatib mit Eicheln etc. in treuester, realiSYlSChSU-"if 
Nachbildung der Natur, sondern auch in den das Ornament 
belebenden Figuren alle erdenklichen Scenen aus dem Leben 
der Menschen und Thiere in überraschend naturwahrel" Weise 
dargestellt habe. Ausserdem bringt er zum ersten Male "nackte 
musicirende Kinder, die später in der Renaissance eine so grosse 
Rolle spielten, als belebende Figuren des Ornaments zur Geltung. 
Auch bei der Caritas des obenerwähnten Piero di Jacopo 
kommen nackte Kinder mit entschiedenem Streben nach Rea- 
lismus vor; dies ist wahrscheinlich dem Einfluss des Deutschen 
zu verdanken, wie anderseits dieser sich vom Florentiner Manches 
in Grazie und Technik angeeignet haben mag. Arbeiteten doch 
Beide zu Anfang des 15. Jahrhunderts an dem Taufbecken des 
Doms von Orvieto zusammen, in dessen reizenden, höchst gra- 
ziösen, von Naturalismus sprudelnden und in einer miniatur- 
artig feinen Technik ausgeführten Reliefs, ganz abgesehen von 
den schwungvoll behandelten Ornamenten, fürwahr schon ein 
Morgenroth der Renaissance zu begrüssen ist. 
Wenn Giacomo di Piero durch erneute Sorgfalt und Piero 
di Giovanni durch seinen deutschen, spätgothischen Realismus 
neue Bewegung und Leben in die ornamentale und iigürliche 
Sculptur von Florenz brachten, so ist Niccolo di Piero 
d' Arezzo, zu dem wir nunmehr nach einer kleinen, noth- 
wendigen Abschweifung zurückkehren, doch der eigentliche 
Vertreter der Uebergan gsperiode von der toscanischen Gothik 
zur Renaissance. Er betont nicht nur in der Ornamentik die 
classischen Bestandtheile und verfeinert sie durch neue Stu- 
dien nach der Antike, sowie durch geschmackvolle und 
sorgfältige Behandlung und Ausführung, sondern er verfolgt 
auch in der figürlichen Sculptur ein ganz neues Streben nach 
gefühlvollem Realismus, nach energischem Ausdruck und indi- 
vidueller Charakteristik, sowie nach Mannigfaltigkeit in den 
Motiven. Er wirft den Druck der herrschenden classisch-trans- 
cendentalen Dogmatik ab und sucht seine Figuren in der FOHTI
        

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