Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1407262
DIE FLORENTINISCHE SCULPTUR VOR DONATELLO. 
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vielmehr alle mehr oder weniger von der Architektur beherrscht 
waren, und ferner gerade an der ornamentalen Sculptur der Wandel 
von Gothik in Renaissance sich in interessanter Weise vollzog. 
Schon an anderer Stelle haben wir nachgewiesen, wie 
trotz des Eindringens gewisser gothischer Anklänge und Formen 
in die Architektur Italiens und speciell Toscanas dennoch die 
antiken, seit lange vererbten Ornamente, Details, Glieder und 
selbst Proportionen zugleich noch daneben sich erhielten, zum 
Theil wie verhüllt in den allgemeinen gothischen Schleier. Ein 
Fenster oder Tabernakel konnte z. B. spitzgieblig sein, aber auf 
korinthischen Pilaster11 oder Säulen ruhen, mit Akanthusranken, 
Rosetten ornamentirt sein etc. Während Niccolo Pisano sich 
noch durchaus an den italienisch-romanischen Styl mit classisch 
verfeinerten Details hält, nehmen Giovanni Pisano, Arnolfo und 
Andere den Apparat von Spitzgiebeln, Spitzbögen etc. an, behalten 
aber die classischen Details und Ornamente grösstentheils eben- 
falls bei. Ebenso Orcagna in seinem Tabernakel vom Jahre 1359. 
Die gothischen Pfeilerbündel kamen, wenigstens in Tos- 
cana, selten zur Geltung; hier bewahren die Pfeiler mehr Ver- 
wandtschaft mit denen der sogenannten romanischen Zeit. Auch 
an ihnen (wie im Dom und der Loggia dei Signori) werden 
Capitäle von Akanthus angebracht, der in zwei bis drei Reihen 
übereinander allerdings eine mehr und mehr dürre Ausbildung 
annimmt. Ebenso kommen in den Zwickeln zwischen spitz- 
bogigen Fenstern (wie an Or. S. Michele) Blattfüllungcn vor, 
die ganz dasselbe Schema zeigen, wie an den römischen Sarko- 
phagen. Ja, auch die Rundbögen erhalten sich, zumal bei 
grossen läogenöffnimgen an Loggien, Höfen etc. (Loggia de" 
Signori, Loggia dcl Bigallo, Hof des Palazzo del Podesta etc.) 
Im Ganzen nimmt aber gegen das Ende des 14. Jahrhunderts 
die Ornamentik einen so trockenen, wirkungslosen und strengen 
Charakter an, dass ohne neuen Impuls diese Reste antiker 
Formen schwerlich zu einer Renaissance geführt hatten. 
Dieselbe Erscheinung zeigt sich in der figürlichen Sculp- 
tur, besonders in dem Zeitraum von etwa 1360-1380. Auf 
Andrea Pisano und Orcagna folgt ein Heer von Bildhauern, 
welches die pisanischen Traditionen zu einer erschreckenden 
Starrheit, Plumpheit und Rohheit verwildern lässt. Beispiele
        

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