Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1407256
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DIE FLORENTINISCHE SCULPTUR VOR DONATELLO. 
auch in der Bildhauerei und Architektur bethätigte, so war sein 
Hauptfeld doch die Malerei, so dass in der Bildhauerei Dona- 
tello jedenfalls noch andere, massgebendere Einflüsse erfuhr. 
In der That blühte gerade zu Donatello's Jugendzeit ein 
anderer Bildhauer, mit dem Donatello nicht nur urkundlich 
nachweisbar öfter in die naheste künstlerische Berührung trat, 
sondern dessen Werke auch unter allen von DonatelloÄs Vor- 
gängern mit denen des Letzteren am meisten Verwandtschaft 
an sich tragen. Es ist dies der Bildhauer Niccolo di Piero 
de Lamberti von Arezzo. 
Dieser bildete in der That an der Scheide des 14. Jahr- 
hunderts eine Schule der Sculptur in Florenz, welche nicht nur 
in merkwürdiger organischer Weise den Umwandlungsprocess 
der toscanischen Gothik des 14. Jahrhunderts in die Renais- 
sance des I5. in Ornamentik und Figur darstellt, sondern aus 
der auch eine Anzahl Schüler hervorging, welche, gleichalterig 
mit Donatello, entschiedene Vertreter derselben Richtung waren 
und nur mit weniger Glück ihre Mission weiterführten, indem 
sie theils aus Mangel an Talent stehen blieben und stümperten, 
theils frühzeitig wegstarben, so dass Donatello schliesslich als 
einziger glänzender Vertreter dieser Richtung übrig blieb, sie 
mit mächtigem Impuls zur Blüthe und Entfaltung entwickelte, 
um bald deren Samen nach allen Richtungen Italiens keime- 
legend auszustreuen. 
Ghiberti nimmt nur in Einzelheiten an dieser Richtung 
Theil, während er in anderen Punkten ältere Traditionen auf- 
recht erhält und mit technischer Vollendung zu abgerundeter 
Erscheinung bringt. Späterhin berühren und vermischen sich 
vielfach diese nebeneinander herlaufenden Richtungen, um neue 
Stylgattungen hervorzubringen, welche zumal in der zweiten 
Hälfte des I5. Jahrhunderts sich geltend machen. 
Nach diesen allgemeinen Andeutungen sei es mir zuvor 
gestattet, ein allgemeines Bild des Zustandes und der Richtungen 
der Sculptur zu Ende des 14. Jahrhunderts zu geben, ehe ich 
näher von Niccolo däArezzo spreche. Und zwar werden wir 
hiebei auch die decorative und ornamentale Sculptur im Dienste 
der Architektur zu berücksichtigen haben, da erstens damals 
die verschiedenen Zweige der Sculptur nicht so scharf getrennt,
        

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