Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1409635
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QUELLEN-ANGABEN. 
Wenn Rumohr's Behauptung, Donatello habe die malerische Behand- 
lung der Figur von Ghiberti gelernt, unrichtig ist, so ist die unmittel- 
bar vorhergehende ungerecht, Donatello sei ungleich weniger be- 
gabt gewesen als Ghiberti. Ich behaupte das Umgekehrte, und berufe 
mich dabei weniger auf die grössere Menge der Donatelldschen Werke, als 
auf deren ungleich grösseres Leben, Charakter, Naturwahrlieit, Studium und 
Stylreinheit. Auch in der Schönheit übertrifft Donatello in vieler Hinsicht 
den Ghiberti; Ghiberti hat viel Compositionstalent (was dem Donatello auch 
nicht fehlt, bei dem es noch tieferen, reineren Stylprincipien folgt, wiewohl 
Ghiberti darin mehr Anmuth entwickelt); weit überlegen ist er dem Ghiberti 
aber in der poetischen und künstlerisch durchgeführten Wiedergabe der 
schönen Natur. 
Noch ungerechter und durch Unrichtigkeit überraschender ist folgendes 
Urtheil Rumohfs über Donatello: „er habe seinen Mangel an Richtigkeit und 
Fülle der Charakteristik durch Uebertreibungen der Züge einer ein- 
zigen Durchschnittsform zu ersetzen gesucht." Rumohr scheint den 
armen Donatello durchaus auf den Kopf stellen zu wollen. Er spricht von 
ihm, wie wenn man einen Säugling Greis nennen wollte. "Eine einzige 
Durchschnittsforml" Und alle die vielen meisterhaften Portratköpfe, der 
Reichthum an grundverschiedenen Typen, die Donatello geschaffen, und 
deren jeder eine ganze Richtung in der Kunst der Folgezeit schuf?! Seine 
schalkhaften Putten, seine edlen, ernsten, schönen Madonnen, sein Gatta- 
melata und S. Georg, seine Täufer im härenen Gewande und seine ent- 
zückenden Knabenbüsten des jungen Taufers! lch rathe Jedem nur, vor- 
urtheilslos sich dem tiefen und reichen Geiste Donatell0's in seinen Werken 
hinzugeben, damit er entrüstet Rumohfs verkehrte Verlästerungen eines der 
ersten aller Bildhauer zurückweise. Sagt er doch auch von diesem poeti- 
schen, vom tiefen, edlen Gefühl überquellenden Künstler: 
„Sein Verdienst war nur ein technisches. Gewiss war sein Geist 
ebenso arm als roh" etc.   .   
Diese Hauptstellen Rumohr's über Donatello mögen genügen, um die 
Werthlosigkeit des darin enthaltenen Urtheils über diesen Künstler darzuthun. 
119) Ueber Donatellds Magdalena siehe Vasari, Lemonnier lII. 247, 
ferner Richa, le chiese di Firenze. Dort ist auch folgende Urkunde ver- 
öifentlicht: 
Deliberazione de" Consoli dell" arte de mercatanti: 
„A Jacopo Sogliani orafo si paghi per la diadcma facta per 
la figura et imagine cli Sta. Maria Magdalena nuovamente posta 
nella chiesa di S. Giovanni  .   
An dem Postament steht: 
Votis publicis 
Mariae Magdalenae simulacrum 
Insigne Donati opus 
Pristino loco 
Elegantiorique repositum 
anno CIDIDCXXXV.
        

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