Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1409624
QUELLEN-ANGABEN. 
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gerade aus letzterem Grunde dem Donatello viel in den Augen des unselbst- 
ständigen Publicums geschadet haben mögen. 
Wir wollen einige Urtheile Rumohfs über Donatello beleuchten, 
ohne desshalb dessen sonstige Verdienste und sein im Allgemeinen treff- 
liches Urtheil bestreiten zu wollen. Aber wenn Rumohr den Manen eines 
genialen Künstlers Unrecht that, so hat Jedermann das Recht, energisch da- 
gegen zu protestiren. Rumohr sagt unter Anderm: 
„Dass sein Beispiel (GhibertPs) schon nähere Zeitgenossen, besonders 
den so ungleich Weniger begabten Donatello zu malerischer Auf- 
fassung der Gestalt verleitet hat." 
Zuerst wollen wir den letzteren Punkt besprechen. Wir bestreiten, 
dass Donatello seine malerische Auffassung der Gestalt dem Ghiberti ent- 
lehnt habe, und räumen einen malerischen Einfluss des Ghibcrti auf Dona- 
tello, wie erwähnt, nur in Bezug auf das Broncerelief ein. 
Wie sollen aber die wegen ihrer Kleinheit unmöglich statuarisch aus- 
geführten Püppchen Ghibertfs in seinen Reliefs auf die markigen, de- 
tailreichen, realistischen Figuren Donatello's Einfluss geübt haben? Und von 
den grossen Broncefiguren GhibertPs mit ihren gothischen, unruhigen, mani- 
rirten, charakterlosen Falten wird doch kein vorurtheilsloser Richter behaup- 
ten, Donatello hätte von ihnen seine malerische Auffassung entlehnt; seine 
Auffassung, die in ihrem zwar CffCCIIVOllCII, zugleich aber auch charakteri- 
stischen und realistischen Auffassung der des Ghiberti so diametral entgegen- 
gesetzt ist! Malerischen Effect haben Donatello's Statuen, aber wie soll er 
denselben aus den manirirten, ganz anders stylisirten Figuren Ghibertfs her- 
nusgeklaubt haben, statt ihn vielmehr auf die oben angedeutete Weise, durch 
eigene Ausübung der Malerei, sowie durch wirklich stylvolle Anpassung an 
die Architektur sich angeeignet zu haben. Und Ghibertfs Figuren sind zwar 
unruhig, aber nicht malerisch. Damit eine Figur malerisch sei, ist nöthig, 
dass eine Abwechslung von ruhigen Flächen und charakteristischen Schatten 
da sei. Bei Ghibcrti sind aber die Flachen nicht ruhig, sondern alle in einer 
monotonen, unwahren, geschweiften Wellenbewegung. Dass eine Statue 
malerisch wirke, ist nur für die kalten Idealstylisten ein Tadel, in der That 
ist es eine nothwendige Bedingung einer guten Statue. Was heisst male- 
rische Wirkung? Lebendige Wirkung durch Licht und Schatten. Ja die 
Alten, das Mittelalter und noch die Renaissance zum Theil vermehrten sie 
durch Farbe. Muss eine Statue todt, starr, langweilig sein, um reinen Styl zu 
besitzen? Muss unter malerischer Wirkung übertrieben malerische Wirkung  
barocke Wirkung verstanden sein? Allerdings im Relief, das schon wegen der 
Thatsaclme selbst, dass die Figuren darauf nicht frei und rund ausgearbeitet sind, 
einen anderen, milderen Eifect verfolgt als eine Freistatue  ist eine Wir- 
kung, die eine Gruppe von Freistatuen nachahmt, eine Ueberschreitung der 
Grenzen und des Zweckes eines Reliefs. Ein Relief ist der Architektur noch 
untergeordneter; es bildet noch entschiedener nur einen Theil derselben, 
als eine Freistatue. Reliefs verwendet die gute Architektur nur da, wo sie 
eines mässigen und gleichmässigen Effectes bedarf.
        

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