Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1409503
QUELLEN-ANGABEN. 
249 
34) Siehe Bocchi e Cinelli. Le bellezze di Firenze. 
35) Ueber den S. Giorgio des Donatello siehe Vasari, Lemonnier: 
Leben des Donato. p. 250; ferner Elogio della Statua del S. Giorgio etc.   
Ragionamento di Fr. Bocchi. 1571. Letztere Schrift ist in Uebersetzung als 
Quellenschrift dieser Publication beigefügt. Den Titel einer Quellenschrift 
verdient sie weniger wegen darin enthaltener historischer Notizen, die zur 
Feststellung und Zeitbestitnmtuig von Werken des Donatello dienen könnten 
 solche fehlen gänzlich  als weil sie ein historisches Document für die 
hohe Verehrung und die Art der Beurtheilung des Donatello in dem folgen- 
den Jahrhundert nach seinem Tode bildet. Wegen der ungefähren Gleich- 
zeitigkeit mit Vasari's Werk lässt sich ein verwandter Geist der Auf- 
fassung darin nicht verkennen. Doch tragen Vasari's Urtheile, so viel Falsches 
und Unsicheres er auch in historischer Hinsicht geben mag, dennoch, 
wo er über bestimmte Kunstwerke spricht, meist den Stempel der naiven 
und in kurzen Worten treiTenden Charakteristik an sich, wie sie am besten 
ein selbst ausübender Künstler liefern kann, während Francesco Bocchids 
Dithyrambus, trotz vieler richtiger Bemerkungen und wahrer Grundgedanken, 
dennoch den laienhaften Rhetor verräth, der die durch die traditionellen 
Künstlerurtheile festgestellten Anschauungen über Donatello in einen höchst 
unerquicklichen, breiten, geschwätzigen, zugleich verschwommenen und spitz- 
findigen, süssen Brei eingestreut hat. Man kann sagen, die wenigen vier oder 
fünf Gedanken dieser Schrift sind wenigstens hundertmal darin wiederholt; 
sie laufen im Kreise herum, wie die Pferde eines Caroussels. Wir können 
desshalb nur eine Prüfung und Kritik des darin enthaltenen Gedankenganges 
nicht aber historische Anmerkungen geben, da zu solchen kein Anhaltspunkt 
geboten ist. 
In der Einleitung zu seiner Schrift macht Francesco Bocchi die richtige 
Bemerkung, dass Donatello in seinen Marmorstatuen das zu abgesonderte 
Vorragen einzelner Theile vermieden, vielmehr die Figuren möglichst com- 
pact in einer Masse zusammengehalten habe, damit sie sich möglichst lange 
erhielten. In der That ist dies ein stylistischer Vorzug, insofern darin eine 
Unterwerfung des Künstlers unter die Bedingungen des Materials liegt. 
Und die richtige Befolgung dieses Stylgesetzes ist nicht nur praktisch vor- 
theilhaft, sondern wirkt auch aesthetisch angenehm. Die Sicherheit 
und Festigkeit der Statue gibt ihr den Charakter der Nothwendigkeit und 
künstlerischen Ruhe und Abgeschlossenheit, so erregt auch das darin aus- 
gedrückte Gefühl sein mag. Der Kehrseite dieses Stylgesetzes zufolge durfte 
Donatello auch, wie gleichfalls Bocchi richtig bemerkt, in den Br0nce- 
figuren sich von der Hauptmasse freiere und abgelöstere Theile gestatten. 
Seine Abhandlung selbst gliedert Bocchi nach den drei Gesichtspunkten des 
costume, der vivacitä und der bellezza, die nach ihm die höchste 
Vortrefflichkeit einer Statue ausmachen. (Ed. Baldinucci. p. x13.) In der 
Vereinigung dieser drei Vorzüge habe Donatello sowohl A. Verocchio, als 
Ghiberti und Brunellesco fibertroffen. Ja, Donatellds Georg, der dieselben 
im höchsten Masse vereinige, sei den antiken Sculpturen ebenbürtig, wenn 
nicht überlegen.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.