Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1409297
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TRA CTAT DES M. 
FRANCESCO 
BOCCHI etc. 
deren Anblick jedes warme Herz sich erfreut und sich begei- 
stert: hehre Würde , die du zugleich Anregung und Ernst er- 
zeugst, und den menschlichen Geist von irdischen Gelüsten hin- 
weg zu hohen Bestrebungen und göttlichen Zielen emporführst  
wohl darf die Bildhauerkunst 0b eines so erhabenen Lorbeers 
sich freuen, und stolz sein ob ihrer so edlen Wirkung; vor 
Allem darf sie, da hier diese Wirkung sich am Kräftigsten zu er- 
kennen gibt, ihren höchsten Ruhmesanspruch auf diese Statue 
setzen, welche, edler und preiswürdiger als alle anderen, die 
menschliche Grenze fast überschreitet, um fast zur göttlichen 
hinanzuragen. Aus dieser ganzen Abhandlung aber lässt sich 
schliesslich klar entnehmen, dass jene Schönheitswunder des 
Schaffens, welche Bewunderung hervorrufen, als solche von den 
Künstlern selbst, und nicht von der Kunst allein, erzeugt wer- 
den. Wäre dies nicht der Fall, so würde man täglich gar viele 
Homere und gar viele Virgile aus den Lehren des Aristoteles, 
und in der Rhetorik gar viele Demosthenes und gar viele 
Ciceros aus den von ihnen verfassten Büchern über die Rede- 
kunst erstehen sehen. Hätten diese nur irgendwie gehofft, in 
ihren Kunstzweigen die Vollendung und Schönheit selbst lehren 
zu können, so würden sie alle Regeln hiefür, ohne eine ein- 
zige auszulassen, vorgebracht haben; auch jene, die von den 
gelehrtesten und bedeutendsten Autoren in der Sache mit 
grossern Verständnisse und tiefem Geiste Verfasst worden sind. 
Aber Jeder, der zur Schönheit gelangen will, muss eben selbst 
weiter schreiten, weiter sich vorwagen, als ähnliche Weisungen 
zu lehren vermögen, so gut wie Donatello, was Jeder erkennt, 
es gethan. Nicht nur, dass er sämrntliche Regeln der Kunst 
vortrefflich beobachtete, hat er auch, von bedeutendem Talente 
getragen, durch ausserordentliche, vielleicht von keinem Anderen 
je angewandte Mittel, uns im heiligen Georg jene vollendete 
und seltene Schönheit vorgebracht, welche, da sie bei mensch- 
lichen Werken fast unglaublich erscheint, Bewunderung und 
Staunen in unserem Gemüthe weckt. 
nde.
        

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