Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1407137
GOLDSCHMIEDKUNST 
TOSCANAS 
vom 13. 
Jahrhundert. 
bis 15. 
Das neue Leben, welches im 11. Jahrhundert die Archi- 
tektur Italiens zu durchdringen begann, theilte sich in den 
beiden folgenden Jahrhunderten auch der in so engem Zu- 
 sammenhang mit der Architektur stehenden Schwesterkunst, der 
Sculptur, mit. Sorgfältigere Ausführung der Details, sowie 
die Herstellung von ausschmückenden Reliefs, Ornamenten und 
Decorationsstücken, wie sie von den Architekten verlangt wur- 
den, waren ein dringender Appell an alle bildhauerischen Kräfte 
Italiens. Die eigentliche Freisculpttlr war aber während des 
tiefen Verfalles aller Künste im I0. Jahrhundert fast ganz er- 
storben. Die neuen Begründer einer solchen mussten daher 
theils aus der Zunft der handwerksmässigen Steinmetzen recrutirt 
werden  die doch wenigstens noch immer einen Schatz an- 
tiker, technischer Traditionen aufbewahrt hatte  theils aus 
dem Kreis der Goldschmiede, die in ihrer beschränkten Sphäre 
noch am meisten auf Eleganz und sorgfältige Ausführung ge- 
sehen hatten. Konnten sie doch nie vergessen, dass sie Schmuck 
zu verfcrtigen hatten.  ln der That zeigen die Reliefs eines 
Gruamons (1180) an den Portalen von S. Giovanni fuori civitas 
und von S. Pietro in Pistoja in dem gemeisseltexi, einst wohl 
mit Glas ausgefüllten Hintergrund, sowie in den kleinlich und 
ängstlich geschnittenen Figuren noch den Einfluss der in byzan- 
tinischen Manieren befangenen Goldschmiedkunst der damaligen 
Zeit. Erst als die genialen Begründer der toscanischen Sculptur 
aus dem Chaos von traditionstreuen oder barbarischen Stüm- 
pern auftauchen, erst dann dreht sich das Verhältniss um und 
tritt die Goldschmiedkunst wieder unter die Führung der Frei- 
sculptur in Marmor und Stein.  
Wenn nicht von Niccolo, so wissen wir es doch von Gio- 
van ni Pisano, dass durch sein Wirken auch die Goldschmied- 
kunst seinerzeit wieder einen neuen Aufschwung nahm. Und 
zwar fällt gerade in die Zeit seiner Thätigkeit, neben dem 
Wiederaufleben vernachlässigter Techniken, auch die Erfindung
        

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