Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1409289
TRACTAT DES M. 
FRANC ESCO BOCCHI etc. 
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Georg eine so staunenswerthe Herrlichkeit erzeugt hat. Mir 
Rücksicht daher auf den grossartigen, heroischen und fast über- 
irdischen Ausdruck dieses Werkes; auf die an jedem seiner 
Theile wunderbar sich zeigende Lebendigkeit; auf die her- 
vorragende und voll Majestät sich gebende Schönheit des 
Ganzen können wir behaupten, dass nicht nur kein einziger 
Künstler es verschmähen dürfe, dass Donatello ihm gleich ge- 
stellt werde; sondern überdies noch, dass der hohe Werth und 
die Vollkommenheit dieser hier besprochenen Statue alle an- 
deren hinter sich zurücklassen. Gar weise war das Vorgehen 
unseres Künstlers, Welcher zur Verwirklichung seines Strebens 
mit der Lebendigkeit anregt, mit dem Ausdrucke edle Empßn- 
dungen erweckt, mit der Schönheit erquickt, und mittelst aller 
dieser drei Dinge in den Beschauer jene hohe, mächtige Kraft 
versenkt, welche an dieser Statue mit so viel Glück vorgebracht 
ist. Er gestaltet das Bild eines überirdisch vollendeten Ritters, 
und formt ihn nicht nur fehler- und mängellos, sondern auch 
in bewunderungswürdiger, fast übernatürlicher Weise; dabei 
die Arbeit zu solcher Vollendung erhebend und seine Absicht 
so glücklich und meisterhaft erreichend, dass er die gewöhnliche 
Art der Anderen weit überragt, und sozusagen sich selbst 
übertrifft, indem im Marmor eine so schwungvolle Phantasie, 
und so himmlische Gedanken zum Ausdruck gelangen, dass da- 
durch sogar aus dem Gemüthe der Anderen harte, niedere und 
rohe Empfindungen verdrängt werden. Wohl fühle ich da selbst, 
dass je tiefer man den Geist in diesen strahlenden Glanz ver- 
senkt, je näher man in das Zauberlicht so herrlicher Kunst- 
gewandtheit blickt, umsomehr die Kraft, Solches entsprechend zu 
preisen, verwirrt und geblendet, sinkt; ebenso fühle ich, dass 
nicht diese meine Auseinandersetzung, die unausreichend ist, 
und nicht mein Wort, das schwach und wahrhaft unwürdig 
eines so erhabenen Werkes erscheint, sondern eine jener hohen 
Begabung gleichkommende Redeweise allein berufen wäre, ein 
solches Werk würdig zu preisen, so dass, wie dieses alle an- 
deren Schöpfungen überflügelt, es auch mit überwiegender Be- 
redsamkeit gefeiert werden müsste. Erhabene Schönheit, die du 
so mächtig in deiner Wirkung bist, dass Andere durch dich zu 
höheren Ideen gehoben werden: himmlische Gestaltung; an 
l 52'
        

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