Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1409278
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TRACTAT DES M. 
FRANCESCO 
BOCCHI 
ßtC  
dass 
das 
Alles 
ZU 
viel der Worte 
und 
des Lobes 
über 
die 
Vor- 
trefflichkeit und Vollendung des heiligen Georg sei; im Gegen- 
theile bin ich der Ansicht, dass es noch viel zu Wenig dem 
entspreche, worauf die erstaunlichen Vorzüge jener Statue An- 
spruch hätten. Gibt es doch, wie wir bereits gesehen, der 
Schwierigkeiten und Mühen, welche die Wiedergabe der Schön- 
heit verhindern, so viele, und hat sie dennoch alle das grosse 
Talent Donatellds derart besiegt, dass sie darum doch nicht 
weniger leuchtend und glänzend sich kundgibt. Darum muss be- 
dacht werden, dass eigentlich nur das höchste und unbeschränk- 
teste Lob der vollendeten Schönheit des heiligen Georg gebühren 
würde; liegt aber dies nicht in unserem Können, so mögen wir 
sie wenigstens nach Möglichkeit preisen und bewundern. Wer 
würde auch nicht selber erkennen, dass Schönheit überhaupt 
eine so bewunderungswürdige und zu allen Zeiten so seltene 
Sache ist, dass sie an und für sich schon als etwas Hervorra- 
gendes, ja fast Unglaubliches, zu betrachten sei?     Donatello 
aber, oder besser gesagt, die Stadt Florenz, wollte nicht, dass die 
leuchtende und vollendete Schönheit der Statue des heiligen 
Georg blos von einem Menschen, anstatt von Allen gesehen 
werden sollte, und stellte sie daher an einem Orte aus, WO 
das Betrachten und Prüfen aller ihrer Theile sehr leicht mög- 
lich ist. Und da nun so viele edle und grosse Talente, als es 
deren in unserer Stadt gibt, sie dort wiederholt betrachtet, ge- 
prüft und immer wieder einstimmig gelobt haben , so ist das 
wohl ein sehr beredtes Zeugniss dafür, dass kein Theil an 
jener Statue misslungen, oder missgestaltet, vielmehr aber, dass 
jeder angemessen und anmuthig ist, und dass mit Recht die 
höchsten Lobsprüche, welche ähnlichen Werken gebühren, auch 
der Vollkommenheit dieses heiligen Georg zu widmen sind. 
Mögen daher die echten Künstler ihre Aufmerksamkeit diesem 
Werke der Schönheit zuwenden und darüber nachdenken, 
welcher Art jene Dinge, die solche Schönheit ruhrnwürdig 
machen, sind; mögen sie dabei zur Ueberzeugung gelangen, 
dass nicht irgend welche Schaulegung überladener Ornamentik, 
sondern die einfache Vollkommenheit, die Einheit und jenes 
Ganze, jene hohe Kunstgewandtheit, welche bei allen ähnlichen 
Werken zu wünschen wäre, Dasjenige ist, was beim heiligen
        

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