Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1409263
TRACTAT DES M. 
FRANCESCO BOCCHI etc. 
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vorhanden; noch hat man die kleinste Spur eines Irrthurns zu 
befürchten, der nicht mehr eintreten kann, und dem Werke 
vollkommen ferne steht, während dafür jene Wirkung an dem- 
selben sich zeigt , die an und für sich sehr selten, und darum 
doppelt beachtenswerth erscheint. Diese aber besteht in einem 
gewissen mit Weichheit verbundenen Ernste, wodurch, wie ich 
glaube, gleichzeitig Genuss, Bewunderung und Staunen in un- 
serer Seele geweckt werden; und mit so viel Glück war das 
beim heiligen Georg erreicht, dass kaum viel Worte, scheint 
mir, nothwendig sind, um es zu begründen, oder Jemanden 
davon zu überzeugen. Der Ernst, der aus dem Antlitze spricht, 
die Schönheit, die so gewinnend dort ausgedrückt ist, sie lassen 
zusammen irgend welche erhabene That Seitens dieses grossen 
Streiters Christi erwarten, und das eben bewirkt, dass die Ge- 
danken der Beschauer in bewundernder Gehobenheit erhalten 
werden. Der königliche Ausdruck aber, die seltene Lebendig- 
keit, die Harmonie, die Gemessenheit, die Schönheit, die Voll- 
endung, Alles zusammengenommen, machen aus dieser Statue 
Etwas, das zu gross, zu hervorragend ist, als dass der Anderen 
Worte sie noch ruhmwürdiger gestalten könnten. Auf eine solche 
Weise sind nämlich alle jene Eigenschaften dort vereinigt, dass 
auch der allerkleinste Theil, der da hinzu oder hinweg kame, 
den Glanz und den Zauber der Schönheit ganz schwächen und 
durch hässliche Fehlerhaftigkeit verdunkeln würde. In diesem 
Sinne haben bereits einige Gelehrte und Schriftsteller festgesetzt, 
dass vor Allem drei Dinge sehr schwierig, ja fast unmöglich 
sein würden: dem Jupiter den Blitz aus der Hand zu nehmen; 
dem Herkules die Keule; dem Homer den Vers; dass aber, 
selbst wenn das ausführbar wäre, Keinem dennoch, ausser Ju- 
piter, das Blitzeschleudern, Keinem, ausser Herkules, die Hand- 
habung der Keule, Keinem, ausser Homer, das Verfassen von 
Versen gebühren würde. Genau dasselbe können wir von Do- 
natello sagen; so preiswürdig nämlich und ausgezeichnet auch 
andere Künstler gewesen sein mögen, so kam es doch Keinem, 
so wie Diesem, zu, die Werkzeuge der Bildhauerkunst mit 
klugem und tiefem Verständnisse zu gebrauchen und alle Theile 
aus Welchen die Schönheit besteht, so in Eins zu verbinden, 
dass sie bewunderungswürdig hervortrete. Man denke ja nicht, 
Quellenschriften t". Kunstgesch. IX. T5
        

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