Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1409245
TRACTAT DES M. 
FRANCESCO BOCCHI etc. 
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dass, obwohl gerade hier der benützte Raum_ nur ein kleiner 
ist, das Feld der sich kundgebenden hohen Gedanken dennoch 
ein sehr weites und reiches ist. Sie ist also um so bewunde- 
rungswürdiger, und um so schöner, je weniger sie der fremden 
Hilfe und des äusseren Schmuckes bedurfte. Möge ja Niemand 
glauben, das sei etwas Geringes oder leicht in die Wage 
Fallendes; das ist umgekehrt etwas so Wichtiges, dass die 
grössten und gewichtigsten Schriftsteller, sobald sie etwas als 
sehr schön demonstriren wollten, gerade das als Stärkstes und 
mächtigstes Argument hervorheben. Als daher Terentius solche 
Vollendung vor unsere Augen führen wollte, gab er sich keines- 
wegs damit ab, die einzelnen Theile der besprochenen Schön- 
heit zu schildern, sondern ging ebenfalls vorn Abgange äusser- 
licher Ausschmückungen aus, indem er sagte: "Schön war das 
Mädchen, und das (sollte man es glauben!) umsomehr, als es 
nichts an sich hatte, was seiner Schönheit hätte zu Hilfe kom- 
men können; das Haar war aufgelöst, die Füsse bloss, sie selbst 
voll Blässe und Thränen, das Kleid schmutzig; so, dass, 
wenn die Macht des Reizes nicht in der natürlichen Schönheit 
läge, sie von diesen Dingen vernichtet worden wäre." Ausser- 
dem erzählt man sich von Alexander dem Grossen, dass er, 
so oft er sich in einem Flusse badete, es liebte, sich von seinem 
ganzen Heere nackt sehen zu lassen, damit dasselbe begreifen 
möge, dass er, Dank dem vollkommenen Ebenmasse seines 
Leibes, keines äusseren Schmuckes bedurfte. Jeder Künstler, 
ja Jedermann bewundert Buonarroti, und zwar nicht allein 
wegen des edlen, hohen Sinnes, der aus allen seinen Figuren 
spricht, sondern auch weil er in diesem Punkte stets eine ganz 
besondere Sorgfalt an den Tag legte. 
Seine Statuen und Bilder sind ebenfalls nicht in Orna- 
menten eingehüllt; keine frivole Beigabe, kein oberflächlicher 
Reiz kommt da vor, wohl aber tüchtige Zeichnung, tiefes Ver- 
ständniss und weise Absicht bei jeglichen] Vorgange, so dass 
sie nicht nur das Gemüth ergreifen, sondern es auch kräftigen 
und mit starkem Denken erfüllen. Schönheit ist nämlich mit 
Kraft und starkem Wesen verwandt und verschwistert, so dass 
wenn sie nach einfachen Principien vorgeht, auch ohne Aus- 
schmückung und nur durch natürlichen Werth und eigene
        

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