Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1409198
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TRACTAT DES 
FRANCESCO BOCCHI etc. 
heit nennen kann. Nicht so bei den Frauen; diese sind von 
der Natur mit einem so edlen Vorzuge nicht ausgestattet wor- 
den. Daher duldet es auch unsere Sprache nicht, dass, so wie 
man von einem Manne sagt! Jener ist ein schöner Greis, so 
auch von einer Frau gesagt werde: Jene ist eine schöne Greisin. 
Denn Schönheit ist etwas Actives, und das lässt sich an der 
wirkenden Klugheit eines Greises vielfach erkennen; in keiner 
Weise aber offenbar an einem durch hohes Alter müde, 
schwach und gebrechlich gewordenen Weibe, welchem nur 
Schweigsamkeit und Bescheidenheit zukommen. 
I-Ielena, obwohl sie die Bezeichnung einer Schönheit er- 
rungen hatte, war nicht ihr lebenlang schön; im Gegentheile, 
so oft sie, alt geworden, sich im Spiegel besah, gab sie, wie 
schon erzählt, sich selbst und den Anderen gegenüber ihrer 
Verwunderung Ausdruck, dass so viele Völker, als solche an 
dem trojanischen Kriege theilgenommen hatten, eine solche 
Fülle von Beschwerden ihrer Schönheit wegen ertragen moch- 
ten. Dem entgegen und obwohl der menschliche Körper mit 
der Zeit Veränderungen erfährt, blieb Alcibiades so schön und 
so ebenmassvoll gestaltet, dass ihn Während seines ganzen Lebens 
und bei jedwedem Alter jene Schönheit, die hier gemeint ist, 
nie verliess. Gross ist daher die Schwierigkeit, letzterer über- 
haupt zu begegnen; noch grösser aber jene, welche den Künst- 
lern entgegentritt, wenn sie eine solche bald mit Farben, bald 
mittelst des Marmors nachbilden und dem Auge vorführen 
wollen. Denn solche menschliche Schönheit wird über Alles 
ragen, wird massvoll, harmonisch, voll Majestät und Erhaben- 
heit sein müssen, wird, in allem ihrem Schmuck anmuthig, 
ohne äusserliches Beiwerk sich eignen, durch anmuthige Wir- 
kung und liebliche Pose den Zuschauer zu ergreifen und zu 
fesseln. Obwohl nun Schönheit auf der ganzen Figur ausge- 
breitet zu sein hat und kein einziger Theil derselben diese 
Schönheit entbehren darf, so ist es dennoch vor Allem die 
Stirne, wo sie mit der grössten Wirkung ausgedrückt erscheint. 
Dies ist nicht ohne Grund; im Kopf nämlich sind alle fünf 
Sinne vereinigt, und dadurch schon erscheint dieser Körper- 
theil als der edelste und ausgezeichnetste, so dass also die 
Ohren, die Augen, die Nase, und am Meisten die Wangen,
        

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