Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1409156
214 
TRACTAT 
DES 
FRANCESCO 
BOCCHI etc. 
ihm im Geiste vorschweben. Einem ebenfalls nur geringen 
Widerstande begegnen auch jene Kunstzxrveige, welche ihren 
Gegenstand natürlichen Dingen entnehmen und nicht vieler 
Hilfsmittel bedürfen, um sich zur Vollkommenheit zu erheben; 
hiezu gehört die Kunst der Comödianten. Ihr Princip sowohl 
als ihre Mittel entstammen demselben Objecte, nämlich dem 
menschlichen Körper, und dieses Princip und diese Mittel fügen 
sich stets dem Willen des Künstlers, welcher, wenn er verstän- 
dig und tüchtig ist, ein Ganzes von der in Rede stehenden 
Vollkommenheit daraus schaffen kann.     . Was aber den beson- 
deren Zweck dieser Kunstzweige betrifft, dessen Erreichung 
eben keine ausserordentliche Leistung ist, so pHegt das Zurück- 
bleiben von demselben nicht, wie dies bei der militärischen und 
bei der oratorischen Kunst geschieht, vom härtesten Tadel ver- 
schont zu bleiben. Wer aber auch sollte in der Sculpttlr die 
Kunst derart behandeln, dass er bei dem Bestreben, aus einem 
Stück Marmor eine Herkules-Figur zu gestalten, soweit sich 
verirrte, dabei eine ganz andere Figur hervorzubringen? Als 
ähnliche Verirrungen müssen wir die Arbeiten jener Künstler 
bezeichnen, welche aus Mangel an Verständniss, und noch mehr 
an Erfahrung, ihre Werke roh, geschmacklos und voller Häss- 
lichkeit gestalten, wie dies z. B. in den ersten Jahrhunderten 
der Fall war, wo die Künste eben ihre Entwicklung begannen. 
Damals waren die Künstler nämlich noch so wenig eingeschult, 
noch so ungebildet, dass man das, was sie hervorbrachten, 
nicht erkennen, noch erfassen konnte, und es vielmehr noth- 
wendig war, bei den von ihnen ausgeführten Werken die be- 
treffende Bezeichnung des Gegenstandes selbst anzubringen, 
und zwar so: das ist ein Pferd, das ist ein Baum. Sie fühlten 
wohl, dass die dargestellten Sachen von Jenen, welche aus der 
Zusammenwirkung der einzelnen Theile eines Kunstwerkes zu 
urtheilen pflegen, nicht erkannt werden konnten. Soll aber von 
Jenen die Rede sein, welche sich im künstlerischen Schaffen 
der höheren Schönheit bedeutend näherten, so darf gesagt wer- 
den, dass das Alterthum und auch die neue Zeit viele solcher 
Künstler aufzuweisen hat; doch nur Wenige gab es darunter, 
die sie ganz und gar erfasst und in sich aufgenommen hatten, 
und die, als Wahre Besitzer derselben, sie auch in ihre Werke
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.