Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1409134
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TRACTAT DES U. 
FRANCES CO 
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schwinden, der ihm aus dieser seltenen Schönheit fort und fort 
entgegentritt. Und das, dachte er, werde dann erfolgen, wenn 
das süsse Licht der Augen, der Farbenschmelz der Wangen 
des Alters wegen erlöschen und die goldigen Haare (um mich 
seiner eigenen Worte zu bedienen) sich in silberne verwandeln 
werden. Um indessen von der Schönheit gründlich sprechen zu 
können, wird es nicht unpassend sein, auch von der Vollendung 
der künstlerischen Geschicklichkeit zu reden; denn diese wird 
oft bei Urtheilen mit jener verwechselt, und selbst tüchtige 
Schriftsteller (Beweis, wie hoch ihr Werth anzuschlagen sei) 
pflegen die künstlerische Form, welche der Materie, der Masse 
Vollendung verleiht, also zu nennen. Solche Vollendung, ge- 
nannt Schönheit, also ist so schwer erreichbar, so selten, dass 
die Menschen Dasjenige fast für ein Wunder ansehen, von dem 
sie fühlen, sehen oder lesen, dass so etwas dort vorhanden ge- 
Wesen sei oder gegenwärtig vorkomme. Zur weiteren Erörte- 
rung dieser Betrachtung frage ich: wie wenige sind nicht Jene, 
die sich den Namen tapferer und vollendeter Krieger verdient 
haben? Wollte man unter Ihnen Alle und Alles genau prüfen, 
so würde nach meiner Ansicht Keiner zu finden sein, der diese 
so ruhmvolle Bezeichnung in Wahrheit verdiente. .  .  . 
Steht es nicht fest, dass es nur wenige solcher Dinge ge- 
geben hat, Welche Wegen ihrer Schönheit und Vollkommenheit 
durch Jahrhunderte über Alles bewundert, heute noch ihren 
Ruhm sich bewahrt haben? Darunter sind ausserdem auch 
einige, glaube ich, welche durchaus nicht ob der vollendeten 
Kunstfertigkeit, wohl aber wegen der übergrossen Ausschmückung 
und wegen der Reichhaltigkeit also bewundert worden sind; 
man fand Aehnliches bei anderen Kunstwerken und Erzeug- 
nissen nicht vor, und so gewährte man jenen einen solchen 
Ruf. Daraus aber folgt, dass, wenn beim heiligen Georg die 
nämliche vollkommene Kunstfertigkeit nachgewiesen wird, Dona- 
tello nicht nur als hervorragender Künstler, sondern auch als 
überlegener Meister gelten muss. Um das nun nachzuweisen, 
und bei dem Umstande, dass die künstlerische Schönheit, Von 
welcher die Rede war, nur selten vorkommt, als gar wichtig 
zu erkennen, wird es nicht überflüssig sein, von ihren einzelnen 
Bestandtheilen und Erfordernissen hier in Kürze zu sprechen.
        

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