Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1409122
TRACTAT DES M. 
FRANCESCO BOCCHI etc. 
2II 
erfolgt, während das Fehlen sich vielartig, ja in zahllosen 
Weisen manifestirt, da es ungemein leicht ist anzustossen und, 
aus Mangel an innerer Kraft, zu fallen; so gilfes auch von der 
Schönheit, dass sie (welche eine gewisse vollkommene Hoheit 
vorstellt und in sich selbst möglichst geschlossen und geeinigt 
ist, während die Hässlichkeit aus vielen unter einander ver- 
schiedenartigen Theilen besteht) nicht zu jeder Zeit, sondern 
nur mitunter in dem einen oder dem andern Jahrhundert vor- 
kommt; die Hässlichkeit hingegen (da, wie gesagt, das Irren 
leicht geschieht) tritt uns oft und zu jeder Zeit entgegen, 
Was Anderes könnte die Ursache sein, dass es nicht oft, son- 
dern im Gegentheile nur selten Künstlern und Schriftstellern 
gelingt, vollkommen Schönes zu bieten, als' eben die grosse 
Schwierigkeit, alle ihre Bestandtheile harmonisch in Eins zu 
vereinigen und zu verbinden? Alle diese Bestandtheile können, 
selbst wenn der Künstler jede einzelne von ihnen genau kennt, 
ihm nicht vollständig nützen, sobald sie nicht vereinigt zur 
Schalfung eines einzigen Ganzen, der Schönheit eben, zusammen- 
wirken, die in keinem Theile ungleich oder verschiedenartig 
sein darf. Dafür legt die Natur ein Zeugniss ab; denn das 
Wenige an Schönheit, das wir mitunter, jener Vereinigung aller 
Theile entbehrend, an menschlichen Körpern vorfinden, wird 
von der gemessenen und geizigen Natur dem Menschen nicht 
für das ganze Leben, sondern nur für eine kurze Frist des- 
selben verliehen. Daher schreibt der Dichter, von dieser flüch- 
tigen Schönheit sprechend, mit Recht: 
Von Der und Jener pflegt man oft zu sagen, 
Dass schön sie einmal war in besseren Tagen. 
So erzählt man auch von Helena, dass sie, alt geworden 
und wohl wissend, wie viel Kampfesschweiss und Mühe ihre 
Schönheit dem gesammten Griechenland gekostet hatte, oft und 
viel, wenn sie sich nun ganz voller Furchen und mit gerun- 
zelter Haut im Spiegel besah, über Diejenigen lachte, die für 
ein so kurzes und hinfälliges Gut so viel Beschwerden, so viel 
Leiden ertragen hatten. Aus gleicher Ursache sagt Petrarca, 
der viel Schmerz und Angst wegen der Liebe für Laura's 
Schönheit ertrug,.dass wenn diese, welche Ursache an seinem 
Leiden ist, schwinden wird, so werde auch der Lebensschmerz 
14'?
        

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