Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1409026
TRACTAT DES 
FRANCESCO BOCCHI ctc. 
201 
Lebendigkeit vermag und iWie sehr sie wirkt, denn Alles, was 
die Declamation angeht, d. h. die entsprechende Verwendung 
des Leibes und der Stimme, wird so hoch geschätzt, dass viele 
Redner, wie Cicero bezeugt, deren Sprache SiCh zum Vortrage 
weder rasch noch leicht fügte, schon durch gewinnende Er- 
scheinung und durch Lebendigkeit des Tones die Palme der 
Beredsamkeit davontrugen. Darum, als Demosthenes, welcher 
Alles der Lebendigkeit zuschrieb, einst befragt wurde, welche 
Eigenschaft beim Redner die erste sei, antwortete er: dass die 
erste, die zweite und die dritte Eigenschaft in der entsprechen- 
den Geschmeidigkeit der Person bestehe, und dass diese alles 
Andere überragen müsse. Wer sieht auch thatsächlich nicht 
ein, dass eine noch so edle, noch so ausgezeichnete Schönheit 
ohne lebendigen Ausdruck werthlos sein, jene Bezeichnung so- 
gar nicht einmal verdienen würde? S0 gross ist nämlich die 
Zusammengehörigkeit, sozusagen die Verwandtschaft zwischen 
Schönheit und Lebendigkeit, dass es gar nicht möglich scheint, 
die eine von der andern getrennt denken zu können. Daher 
sagt Sokrates im „Gastrnahle des Xenophon", dass die Schönheit 
nur aus der lebendigen That entsteht und hervorgeht; und im 
Plato liest man, dass Carmides ein mit so schönen und an- 
muthigen Formen ausgestatteter Jüngling war, dass er Jeden, 
der ihn ansah, zur Sympathie und Bewunderung anregte. 
Trotzdem Waren es zunächst des Körpers edle und zarte Be- 
weglichkeit und der anziehende Gang, was Jeden, der ihn beob- 
achtete, zum Erstaunen, gleichsam wie über etwas noch nie 
Gesehenes und auch nicht für möglich Erachtetes, brachte, 
Einige Schriftsteller heben ausdrücklich hervor, dass jene Jüng- 
linge, welche einst bei den öffentlichen Spielen in Griechenland 
die Anderen besiegten, fast Alle sie auch an Schönheit über- 
trafen, denn aus der Stat-tlichkeit der Person und aus dem 
Ebenmasse der" Glieder entspriesst eben des Menschen Schön- 
heit, und aus dieser dann wieder die Lebendigkeit, welche 
ihrerseits hervorragende und gewinnende Handlungen erzeugt. 
So kann man nach unserer Ansicht behaupten, dass ein, schlafen- 
der Körper und anorganische Dinge des lebhaften Ausdruckes 
bar sind; ferner, um die Sache näher zu beleuchten, dass, 
nachdem die Thätigkeit, Welche ja aus der Seele entquillt,
        

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