Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1408973
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TRACTAT DES M. 
FRANCESCO BOCCHI etc. 
wuthentbrannt 
erscheinen 
musste, 
sich 
2111 
lefle 
Schilderung 
Dante's hielt: 
Mit feufgen Augen sammelt Teufel Charon 
Gebieterischen Wink's die Seelen alle, 
Schlägt mit dem Ruder Jeden, der da zaudert. 
Wunderbar beredet war diesfalls Leonardo da Vinci, nach 
Allem, was bezüglich des staunenswerthen Abendmahl-Bildes 
verlautet, das er in Mailand gemalt hat. Er brachte dabei an 
den Aposteln den Ausdruck so edel zum Vorschein, dass ihm 
dafür von Allen stets das grösste Lob gespendet wurde; aber 
beim Kopfe des Christus, wo er beherrschende Schönheit, 
staunenswerthe Majestät und jedwede iüberirdische Vollendung 
ausdrücken wollte, vermochte er nicht seine Intentionen zu 
verwirklichen, und da er mit seinem Denken nicht ausreichte, 
denselben würdig zu entsprechen, so liess er jenen Kopf lieber 
unfertig und unvollendet. Donatello jedoch, obwohl von der 
Unfügsamkeit des Steines gehindert, erzielte, wie mir scheint, 
in seinem Geiste die Idee göttlicher Erhabenheit und himm- 
lischer Weihe, wie sie einem echten Streiter Gottes, der zu 
dessen Ehren kämpft, geziemen. Daraus geht klar hervor, wie 
bedeutend die Kraft seines Talentes im Hervorbringen eines 
heroischen, übernlenschlichen Ausdruckes war, nachdem er 
einen solchen auch noch mit den Gliedmassen und sogar mit 
jenem bewegten Wesen in Harmonie zu bringen verstand, das 
eine solche Statue ganz besonders bedingt. Mit Recht legen 
die Schriftsteller viel Werth auf das, und wissen aus der Be- 
wegung und Haltung der Person anzugeben, wie und wer Die- 
jenige sei, von welcher gesprochen wird. S0 sagt Virgil nicht, 
indem er Venus, als jagende Nymphe gekleidet, ihren Sohn 
Aeneas in einem Walde begegnen lässt, dass dieser, obwohl er 
ihr Gesicht lange betrachtet hatte und mit sichiselbst zu Rathe 
gegangen war, sie darnach erkannt habe; wohl aber, dass sie 
durch Gang und Bewegung als die sich verkündete, die sie 
war. Daher hat auch unser vortrefflicher Künstler, genau wis- 
send, wie viel zur höchsten Vollendung ein solcher Vorzug, 
ich sage nicht, der eigentlichen Bewegung, sondern des Scheines 
einer Bewegung, beitrage, alle Theile in diesem Sinne meister- 
haft geordnet; und sowie Virgil die Göttin Venus aus dem
        

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