Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1408913
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TRACTAT DES M. 
FRANCESCO 
BOCCHI etc. 
scheint. Wie viel Lob nun in solcher Beziehung unser treff- 
licher und vor Allem ausgezeichneter Künstler verdiene, lässt 
sich nach meiner Ansicht nicht schwer beweisen. Wenn schon 
jene Maler ausserordentlich gefeiert werden, Welche mit beson- 
derem Geschick und mittelst der Lebhaftigkeit der Farben den 
Ausdruck mehr als in gewöhnlicher X7Veise zum Vorschein brin- 
gen, was wird man erst über Jene sagen müssen, welche diesen 
Ausdruck dem Marmor aufprägen, WODÜWJVCÖCI" Leichtigkeit der 
künstlerischen Behandlung, noch die Mischung von Farben ihm 
zu Hilfe kommen; wo vielmehr das künstlerische Schaffen, noch 
durch die Härte des Materials und die Schwierigkeit der Be- 
handlung gehemmt wird, lauter Dinge, die nicht beseitigt wer- 
den können uncl bezüglich welcher daher ein Loswerden der- 
selben ganz unmöglich ist? Hier muss fürwahr das Lob bedeu- 
tend gewichtig ausfallen, da jene Künstler durch sinnige Aus- 
kunftsmittel bald des Talentes, bald der technischen Gewandt- 
heit sich derart zu helfen haben, dass weder Härte noch Schwie- 
rigkeit ihnen schaden, noch hinderlich sein können. Vor Allem 
gross wird aber jenes Lob sein müssen, welches dem hohen 
Talente und der Vollendung im Schaffen Donatellds gebührt. 
Denn er brachte durch ausserordentlichc Kunstfertigkeit, ja, 
man könnte fast sagen durch malerische Weichheit, im harten 
Marmor einen so hohen Ausdruck hervor, dass, wer denselben 
nicht sieht und klar erkennt, als ein in der Nacht der Ignoranz 
Wandelnder, als ein jedwedem Verständnisse Unzugänglicher 
bezeichnet werden muss. Der im heiligen Georg mit so viel 
Tüchtigkeit vorgebrachte Ausdruck ist derart, dass er durch 
Grösse der Wirkung zu allen hohen und erhabenen Dingen 
drängt. Darum können wir auch sagen, dass dieser besondere, 
hier besprochene Ausdruck sich vor Allem auf Kraft basirt, 
und da solche in kriegerischen Dingen so viel bedeutet, so hat 
der Künstler, der eben dahin zielte, ganz richtig die Stirne mit 
grossem Glücke erhaben dargestellt und nach dem Masse der 
Kraft geformt, so zwar, dass jeder andere Künstler nebst den 
vielen anderen Vorzügen, die gleichsam das Gesetz der tüchtigen 
Arbeit vertreten, schon das allein beachten, bewundern und ver- 
ehren soll. Indessen darf man nicht glauben, dass diese Statue blos 
wegen des Ausdruckes vortrefflich sei; nein, sie ist es bestimmt
        

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