Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1408894
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TRACTAT DES M. 
FRANCESCO 
13 O CCHI etc. 
Caesar zu erheben, um ihn gleichzeitig des Lebens und der 
Herrschaft über Rom zu berauben. Aus diesem Grunde und 
weil der Ausdruck in der Malerei und in der Bildhauerei so 
mächtig wirkt, ermuntert der Philosoph in seiner „Poetik" die 
Jugend, eher jene Kunstwerke, welche den Ausdruck der Besten 
bieten, als anders geartete zu betrachten; damit eben, wenn in 
ihrem Gemüthe Neigungen erweckt werden sollen, es solche 
seien, welche unzweifelhaft geeignet sind, sie auf die Bahn des 
Guten und der Vollkommenheit zu lenken. War dies aber 
schon zu jeder Zeit angezeigt, so ist es für Maler und Bild- 
hauer doppelt in dieser Zeit, wo die Künstler in ihren Gestal- 
tungen nicht blos den Ausdruck der besten Menschen oder der 
Heroen, sondern auch übermenschliche und göttliche Ideen ver- 
dolmetschen müssen, auf dass die Seele sich zu Frömmigkeit 
und Gottesliebe erhebe. Nachdem wir nun vom Wesen des 
Ausdruckes und davon gesprochen-haben, wie derselbe bei 
Statuen hier, dort bei lebenden Menschen sich zeige und wie 
er oft in den Gemüthern der Anderen sich abspiegle, müssen 
wir jetzt darthun, um sodann auf die Vortretflichkeit der Statue 
des heiligen Georg überzugehen, dass nicht jeder Ausdruck 
auch jeder Statue entspricht, vielmehr nur derjenige gebühre, 
welcher der abgebildeten Persönlichkeit eigen ist. Wie tinpassend 
würde sich bei einer liebenswürdigen Frau, sei es, dass sie 
lebt, sei es, dass sie statuarisch dargestellt sei, ein Ausdruck 
voller Strenge oder Feindseligkeit anstatt eines Ausdruckes der 
Bescheidenheit und der Milde ausnehmen! Welche Anregung 
sollte uns zu Theil werden, wenn ein junger Mann, der tapfer 
und kriegerisch gesinnt zu erscheinen hätte, uns mit dem Aus- 
drucke der Furchtsamkeit und der Scheu vorgeführt werden 
würde? Gewiss, gar keine; denn, nachdem jedes dieser Gebilde 
die Eigenart der Natur verleugnet, so ist es zu offenbar, dass 
es nur gewaltsam auf die Gemüther wirkend kann. Es ist so- 
mit dringend nothwendig, dass die Künstler, wie schon die 
Natur selbst uns ermahnt, genau aufmerken, welchen Ausdruck 
sie ihren Figuren verleihen sollen, damit dieselben keine Fehler 
und keine Widersinnigkeiten zeigen, die unserem Auge Lang- 
weile und Verdruss bereiten könnten. Sieht man nicht deutlich, 
dass, nachdem kleinen Kindern weder Kraft noch Klugheit,
        

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