Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1408848
TRACTAT 
DES M. 
FRANCESCO BOCCHI etc. 
183 
ich glaube), die eine solche Vollendung hervorzubringen haben: 
der Ausdruck, die Lebendigkeit, die Schönheit. Nur 
bedenke man, dass ich nicht von jenen Erfordernissen, welche 
der Bildhauerkunst eigen sind, als da sind: die Zeichnung, das 
Ebenmass der Glieder, die Verhältnisse des menschlichen Kör- 
pers, reden will; denn man begreift ohnehin, dass alle diese 
und noch andere Bedingungen der Sculptur bei einem so aus- 
gezeichneten Künstler, wie es Donatello gewesen, vorhanden 
waren. Sowie aber die Schriftsteller über die Redekunst anders 
die Eigenschaften des Redners und anders jene der Rede selbst 
nennen, so wollen auch wir den Ausdruck, die Schönheit, die 
Lebendigkeit als Fertigkeiten des Bildhauers und nicht als 
Wesenheiten der Bildhauerkunst bezeichnen, da man diese von 
keinem Meister erlernt, sondern nur durch hohes Talent im 
Geiste erfasst und in den Kunstwerken zum Ausdrucke bringt. 
Und furwahr, wer sieht nicht, dass gar viele Künstler in anderer 
Richtung vorzüglich und eigenthümlich gewesen sind, wie: An- 
drea Verocchio, Lorenzo Ghiberti, Filippo di Ser Brunellesco? 
dass aber die Werke derselben (obwohl als von tüchtiger Meister- 
hand geschaffen und höchst lobenswerth anerkannt) gerade be- 
züglich der erwähnten Eigenschaften, die Donatello wunderbar 
bethätigte, von diesem vortrefflichen Künstler offenbar über- 
troffen wurden? Daher erscheint es sehr natürlich, dass wir 
lieber von jenen Eigenschaften, welche Donatello insbesondere 
besass, als von jenen allgemeinen sprechen, die bei mehreren 
Künstlern vorkommen. Wir beginnen von dieser Statue und 
deren Vortrefflichkeit in jener Weise zu reden, welche dem Ge- 
genstande entspricht, und so bin ich überzeugt, dass man bei 
Betrachtung von so viel Vollkommenheit finden wird, sie sei 
nicht nur den neueren Schöpfungen nicht untergeordnet, son- 
dern sogar den alten gleich, wenn nicht noch höher zu stellen. 
Um dies leichter zu zeigen, müssen wir vorher im Allgemeinen 
den Ausdruck und dann Dasjenige folgerichtig behandeln, was 
dem Zwecke dieses Tractates entspricht. Es ist einleuchtend, 
dass der Ausdruck eine der hervorragendsten und edelsten 
Eigenschaften ist, welche Statuen viollkommen und fast leben- 
dig erscheinen lassen; denn er ist es, der die Gedanken des 
Geistes und die innere Natur, sowie alles Dasjenige offenbart,
        

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