Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1408833
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TRACTAT DES H. 
FRANCESCO 
)CCHI etc. 
Florenz, wo die Schönheit und die Macht der drei Künste sich 
mehr als anderswo bethätigten, hat, nach den ratifregtmgen des 
Krieges und nachdem sie allen Mühseligkeiten und Schwierig- 
keiten getrotzt, eine so grosse Bedeutung und Wirkung muthig 
erreicht, dass man sie in keiner Weise geringer als die alten 
Griechen schätzen darf. Indessen, so viele Künstler auch aus- 
gezeichnet und gross geworden sind, gibt es dennoch zwei der- 
selben, welche in der Bildhauerkunst als besonders hervor- 
ragend bekannt sind; ich meine! Michelangelo Buonarroti 
und Donatello. Diese haben durch ungewöhnliche und 
ausserordentliche Mittel sich derart emporgeschvvungen und 
Florenz so prachtvoll mit ihren Werken ausgezeichnet, dass 
diese Stadt weder Rom, noch irgend einen anderen Ort in 
dieser Beziehung zu beneiden braucht. Da jedoch das Auf- 
zählen der Vorzüge Beider, was wir früher allerdings beabsich- 
tigten, zu lang und die entsprechende Darstellung im Verhält- 
nisse zu den Wünschen der Leser zu ermüdend werden könnte, 
so will ich nur von Donatello, und zwar nicht von allen seinen 
Werken, sondern blos von der Statue des heiligen Georg aus- 
schliesslich sprechen, die er (im Auftrage der kunstliebenden 
Panzerschmiede) mit wunderbarer Tüchtigkeit ausführte, worauf 
sie dann an der Facade der Kirche des heiligen Michael, zur 
Seite des Amtslocales der Gonservatoren, aufgestellt ward.     
Diese Statue aber, mit Schönheit und Vollendung ausgestattet, cr- 
scheint allseitig so preiswürdig, dass das Lob derselben, ob- 
wohl es aus diesem Grunde leicht und offenkundig sich dar- 
stellt, in der Nachweisung dennoch schwierig und dunkel wird. 
Wohl war es diesem grossen Kunsttalente ein Leichtes, heroische 
und anmuthige Gedanken in seinem Geiste zu erfassen, und sie 
dann durch den Marmor mit glücklicher Meisterschaft auszu- 
drücken, oder das Todte lebendig, das Stetige beweglich zu ge- 
stalten, und die Bedeutung der Sculptur, welche früher arm an 
Ehren im Finstern darniederlag, auf das Höchste zu erheben. 
Damit wir aber eine solche Bedeutung zu erkennen vermögen, 
wollen wir, vor weiterem Eindringen in die Sache, zuerst unter- 
suchen, was zur Entwicklung der höchsten Vorzüglichkeit ge- 
höre, die in unserem Gemüthe nicht blos Behagen, sondern 
auch Bewunderung erzeugt. Drei Dinge also sind es (soviel
        

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