Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1408818
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ich wenig erfahren bin, kann ich mich dem entsprechend irren; 
aber, nachdem mir die Tüchtigkeit so vieler edlen Capacitäten 
der Zeichen-Akademie bekannt ist, bin ich überzeugt, mich 
nicht zu irren, wenn ich aus dem besprochenen Grunde diesen 
Brief an Sie richte. Es sind die diesem Künstler zu Theil wer- 
denden Lobeserhebungen so gross, dass ich meine, Dasjenige, 
was ich geschrieben, komme einem so bedeutenden Verdienste 
wenig gleich. Auch glaube ich mit Sicherheit, dass der sel- 
tene Künstler den eigenen Werth kannte und, wohl wissend, 
wie viel derselbe betrage, den Wunsch hegte, ihn auf eben- 
soviel Dauerhaftigkeit gefestigt {u wissen. Aus diesem Grunde 
pflegte er, so viel es ihm möglich war, alle Statuen mit ihren 
Armen und Händen in sich selbst {usammenqitdraizgen und 
sie gleichsam {u einem starken Gesammtstiicke {u gestalten, 
damit weder ein Ungemach der Zeit, noch ein Zufall sie in 
der Zukunft schädigen könnte, vielmehr, indem er die Ewig- 
keit iin Auge hatte, gegen alle Gebrechlichkeit geschütgt wären 
und die grösstinögliche Dauerhaftigkeit besässen. Bei jenen, 
die aus Bronce sind, beobachtete er diese Vorsicht nicht, wie 
man dies an der Judilh ersieht, die den Arm weg von der 
Büste ausstreckt; denn hier, fest iibergeugt, dass sie sich er- 
halten müssten, iiberliess er sie dem Schutge ihres eigenen 
festen und starken Stofes. Doch wissen das die geehrten 
Herren viel besser, als ich es auf dem Papier verzeichnen 
kann. Alles daher, was ich aus Mangel an Wissen vcr- 
säumt habe, werden Sie aus der eigenen Weisheit leicht er- 
gänzen, die so reich und so gewinnend ist, dass man ihrer in 
der ganzen Welt rühmlichst erwähnt. 
Mögen daher die Herren dieses mein Unternehmen will- 
kommen heissen; das allein ist Alles, was ich mir von den 
Herren erbitte.  
Sollte auch die schriftstellerische Art und Darstellungs- 
kunst kein Lob verdienen, so wird doch meine Absicht nicht 
tadelnswerth erscheinen, die Anpreisung eines so hohen Werkes 
zu wagen. Und hiemit ijiberlasse und empfehle ich mich der 
Gnade der geehrten Herren. 
Den 20. Juni 1584.
        

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