Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1408674
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D AS LEBEN DONATELLUS. 
man ihn hier in' der That jedem antiken Künstler gleich- 
stellen kann, was Bewegung, Zeichnung, Kunst, Proportionen 
und Fleiss der Ausführung betrifft. Denn das Werk er- 
regte nicht blos das Staunen Derer, die es damals sahen, 
sondern thut dies noch bis auf den heutigen Tag. Dess- 
halb bemühten sich die Paduaner auf jede Weise, ihn zu dem 
Ihrigen zu machen und durch jede Art von Aufmerksamkeit 
zum Bleiben zu bewegen, und um seinen Aufenthalt zu ver- 
längern, gaben sie ihm den Auftrag, in der Kirche der Mino- 
ritenbrüder, an der Vorderseite des Hauptaltars die Geschichte 
des heiligen Antonius darzustellen. Dieselbe ist in Basrelief mit 
solchem Verständniss ausgeführt, dass die hervorragendsten 
Vertreter dieser Kunst dieselben bewundern, wenn sie die 
schöne und reiche Composition mit einer solchen Fülle von 
ausserordentlichen Figuren und mit verjüngten perspectivi- 
schen Ansichten betrachten. Ebenso führte er an der Rückseite 
des Altars die sehr schönen „Marien, welche den todten 
Christus beweinen", aus; und im Hause eines der Grafen 
Capodilista stellte er das Gerüst eines Holzpferdes her, das 
noch heute ohne Hals zu sehen ist; die Bretter sind daran mit 
solcher Ordnung zusammengefügt, dass, wer die Technik dieser 
Arbeit betrachtet, einen Begriff von dem ldeenreichthum seines 
___)Gehirns und der Grösse seines Geistes erhält. In einem Nonnen- 
kloster machte er einen heiligen Sebastian von Holz, auf Bitten 
eines ihrer Caplane, der als Florentiner sein Freund und Diener 
(war; dieser brachte ihm einen Heiligen, den sie schon hatten 
 und welcher alt und missgestaltet war, mit der Bitte, den 
neuen ebenso zu machen. Obgleich nun Donato, um den Caplan 
und die Nonnen zufrieden zu stellen, sich bemühte, denselben, 
, missgestaltet wie er war, tiachzuahmen, so konnte er es doch 
nicht vermeiden, in dem seinigen Kunst und Güte der Aus- 
führung zu zeigen. Zugleich hiernit machte er viele andere 
Figuren aus Thon und Stuck, und aus einem alten Marmor- 
block, den die genannten Nonnen in ihrem Garten hatten, 
Ffbmachte er eine sehr schöne Madonna. So sind durch die ganze 
l Stadt unzählige Werke von ihm zerstreut; gerade weil er aber 
hier wie ein Wunder angesehen und von jedem Kenner gelobt 
wurde, beschloss er, nach Florenz zurückzukehren, indem er
        

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