Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1408639
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DAS LEBEN DONATELLOS. 
Im Giebelfeld stellte er einen Go ttvat er in Basrelief 
her; gegenüber der Kirche des genannten Oratoriurns führte er 
in der aintiketw. sogenannten korinthischen Ordnung, frei von 
aller deutschen Manier, das Marmortabernakel für die Zunft 
der Kaufleute aus, um darin zwei Statuen aufzustellen, die er 
jedoch nicht machen Wollte, Weil er sich wegen des Preises 
nicht einigen konnte. Diese Figuren führte nach seinem Tode, 
Wie wir sehen werden, Andrea Verocchio in Bronce aus. Er 
führte an der Vorderfront des Glockenthurmes von S. Maria 
del Fiore vier Marmorfiguren von fünf Ellen Höhe aus, zwei 
davon, welche Porträts nach der Natur darstellen, befinden sich 
in der Mitte; die eine zeigt uns Francesco SOdCflül als jungen 
Mann, die andere Giovanni di Barduccio Cherichini, heute der 
Kürbiskopf genannt. Da diese letztere als ein seltenes Meister- 
werk hochgeschiitzt wurde, wie es Donatello nie schöner machte, 
so pflegte er, wenn er auf etwas schwören wollte, damit man 
ihm glaube, zu sagen: "Beim Glauben, den ich an meinen 
Kürbiskopf habe." Und während er daran arbeitete, sagte er 
in einem fort, ihn anschauend: "Schwarze, schwatze, bis Du 
Blut kackst!" Und auf der Seite gegen die Canonica hin stellte 
er über der Thüre des Glockenthurmes einen Abrah am, der 
Isaak opfern will, Lind einen andern Propheten dar. Diese 
Figuren wurden in die Mitte zwischen zwei andere gestellt. 
Für die Signoria jener Stadt führte er einen Metallguss 
aus, welcher auf dem Platz unter einem Bogen ihrer Loggia 
aufgestellt wurde und Judith, welche dem Holofernes 
den Kopf abhaut, zum Gegenstand hat. Es ist dieses ein 
Werk von grosser Trefflichkeit und Meisterschaft, welches dem, 
der die Einfachheit der äusseren Erscheinung in der Kleidung 
und im Aussehen der Judith betrachtet, zugleich deutlich die 
darin liegende grosse Seele jener Jungfrau, sowieidie Hilfe 
Gottes entdeckt, ebenso wie im Gesichtsausdruck des Holo- 
fernes die Wirkungen des Weines und des Schlafes und in seinen 
Gliedern die des Todes sichtbar werden, insofern sie, des Lebens- 
geistes beraubt, kalt und schlaff niederzusinken scheinen. Dieser 
Guss wurde von Donatello in grosser Schönheit und Feinheit 
durchgeführt und hernach so gut gesäubert, dass es ein wahres 
Wunder ist, ihn zu sehen. Ebenso ist das Postament, das aus
        

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