Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1408623
DAS LEBEN DONATELLUS. 
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dem Raume, wo er arbeitete, nicht die Hälfte der günstigen 
Wirkung hatten, die sie an den für sie bestimmten Standorten 
machten. In der neuen Sacristei der nämlichen Kirche sind die 
festonhaltenden Kinder, welche ringsum auf dem Gesims stehen, 
nach seiner Zeichnung ausgeführt; ebenso rührt von ihm die 
Zeichnung der Figuren her, welche sich auf dem Glasgemälde 
des Rundfensters unter der Kuppel befinden, das die Krönung 
unserer Jungfrau darstellt; diese Zeichnung ist um Vieles 
besser als die der anderen Rundfenster, wie man deutlich sehen 
kann. In S. Michele in Orto, in der nämlichen Stadt, stellte 
er für die Zunft der Fleischer die Marmorstatue des St. Peter 
her, die man dort sieht, eine sehr durchdachte und bewunde- 
rungswürdige Figur; für die Zunft der Leinweber verfertigte 
er daselbst den Evangelisten St. Marcus, welchen er anfangs mit 
Brunellesco gemeinsam übernahm, nachher aber mit Beistimmung 
des Filippo allein vollendete. Diese Figur wurde von Donatello 
mit so viel Verständniss ausgearbeitet, dass, so lange sie auf 
dem Boden stand, Leute, die kein Urtheil hatten, deren Treff- 
lichkeit nicht erkannten, so dass die Consuln jener Zunft sie 
beinahe nicht hätten aufstellen lassen. Donatello bat sie jedoch, 
ihn die Statue an ihren Standort bringen zu lassen, und dann 
wollte er zeigen, nachdem er noch etwas daran gearbeitet hätte, 
dass eine ganz andere Figur daraus würde. Dies geschah und 
er verdeckte sie für vierzehn Tage lang, dann, ohne sie noch 
weiter berührt zu haben, enthüllte er sie und Jedermann war 
von Bewunderung erfüllt. 
Für die Zunft der Panzerschmiede machte er eine Statue 
des h. Georg, in Rüstung, voller Leben. In seinem Kopfe sieht 
man die Schönheit der Jugend, den Muth und die Tüchtigkeit 
in der Weiffenführting, eine grimmig stolze Leidenschaftlichkeit 
und einen wunderbaren Mienenausdruck der Bewegung, obschon 
in Stein. In der That ist an modernen Statuen noch nie so 
viel Lebhaftigkeit, noch so viel Geist in Marmor gesehen wor- 
den, wie sie in dieser Statue Natur und Kunst durch Dona- 
telloß Hand bewerkstelligten. Auf dem Sockel, der das Taber- 
nakel jener Statue trägt, arbeitete Donatello in einem Marmor- 
Basrelief die Scenc aus, da Georg den Drachen tödtet; hieran 
wird besonders das Pferd sehr geschätzt und gerühmt. 
(xlllcllclläflll'llllull l'. lilunstgesch. IX. l l
        

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