Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1408610
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DAS LEBEN D ONATELLO'S. 
von D0nat0's Hand. Sie ist aus Holz, als Büsserin dargestellt, 
sehr schön und gut ausgeführt, indem sie vom Fasten und der 
Enthaltsamkeit abgezehrt erscheint; in allen Theilen zeigt sie 
sich als ein Muster von Anatomie, die überall sehr gut ver- 
standen ist. 
Auf dem Mercato vecchio steht auf einer Granitsäule eine 
Statue des Reichth ums, von Donatello, aus hartem Sand- 
stein; sie ist ganz isolirt und so gut ausgeführt, dass sie von 
den Künstlern und allen Sachverständigen höchlichst gelobt wird. 
Die Säule, auf welcher die Statue aufgestellt ist, befand 
sich einst in S. Giovanni, an der Stelle, an der die anderen von 
Granit sind und die innere Galerie tragen; sie wurde dort 
weggenommen und an deren Stelle eine andere cannellirte ge- 
setzt, auf welcher ehemals in der Mitte jenes Tempels die 
Statue des Mars gestanden war, welche weggenommen wurde, 
als die Florentiner sich zum christlichen Glauben bekehrten. 
Derselbe Künstler führte noch in seiner Jugend einen Propheten 
Daniel von Marmor für die Fagadc von S. Maria del Fiore aus 
und nachher einen S. Johannes Evangclista, von vier Ellen Höhe, 
sitzend, in einfachem Gewand. Diese Statue wird sehr gerühmt. 
An derselben Stelle sieht man an der Ecke, auf der Seite, 
welche nach der Via del Cocomero gewendet ist, einen alten 
Mann zwischen zwei Säulen, der mehr als alle anderen Werke 
des Donato der antiken Behandlungsweise sich nähert. In seinem 
Antlitz liest man die Sorgen, welche die Jahre bei denen mit 
sich bringen, die durch die Zeit und Mühsale aufgerieben sind. 
In derselben Kirche stellte er noch den Schmuck der Orgel her, 
welche über der Thüre der alten Sacristei sich befindet, mit 
jenen skizzenhaft behandelten Figuren, bei deren Anblick, wie 
erzählt wird, man glaubt, sie lebten und bewegten sich. Man 
kann daher von diesem Künstler sagen, dass er ebenso sehr 
mit gesundem Urtheil wie mit den Händen arbeitete, denn 
viele Sachen werden gemacht, welche schön aussehen, wenn 
sie in den Räumen stehen, wo sie ausgeführt wurden; nimmt 
man sie aber von dort weg und stellt sie anders wohin, in ein 
anderes Licht oder höher, so sehen sie anders aus und haben 
die entgegengesetzte Wirkung von der, die beabsichtigt war. 
Donatello dagegen stellte seine Figuren derart her, dass sie in
        

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